Wer sich gegen ein realistisches Risiko wappnet - sagen wir: einen Hotelbrand, indem er nicht nur einen Brandmelder installiert, sondern gleich noch einen Fluchtwegeplan an den Zimmertüren aushängt -, handelt vernünftig. Oder? Dem wird wohl keiner widersprechen und behaupten, dadurch würde die Panik der Hotelgäste vor dem Feuer geschürt. Oder gar die Flammen herbeigesehnt. Im Gegenteil: Wer sich auf das Worst-Case-Szenario nicht vorbereitet, handelt grob fahrlässig.
Im Umgang mit Griechenland ist das nicht anders. Es ist richtig, dass sich die Bundesregierung auf den schlimmsten Fall eines Austritts Griechenlands aus dem Euro vorbereitet - und entsprechende Krisenszenarien durchspielt. Andernfalls müsste man ihr vorwerfen, blindlings durch die Euro-Krise zu schlittern, statt sich auf einen möglichen "Grexit" vorzubereiten. Was eben nicht heißt, diesen herbeizusehnen oder gar zu befördern. Im Gegenteil: Griechenland soll in der Euro-Zone bleiben, die Drachme ein Kapitel im Geschichtsbuch sein - Bundesfinanzminister Schäuble lässt an dieser Haltung keinen Zweifel aufkommen.
Die Signale aus Athen sind ja durchaus ermutigend: Die Griechen sparen härter als die meisten anderen EU-Länder, sie haben sich zu einer radikalen Reform ihres Rentensystems verpflichtet, nehmen den Kampf gegen Steuerbetrug auf und beschneiden ihren aufgedunsenen Beamtenapparat. Aber es stockt noch bei den Privatisierungen, und die nach wie vor schwächelnde Wirtschaftskraft lässt die Steuereinnahmen weniger sprudeln als erhofft. Zweifel also bleiben, die "Grexit"-Gefahr ist nicht gebannt.
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Regierungschef Antonis Samaras, der am Freitag mit Angela Merkel in Berlin zusammenkommt, hat alle Hände voll zu tun, das brachiale Reformprogramm in seinem Land durchzubringen. Er sollte ein Signal der politischen Unterstützung mit nach Hause nehmen können, aber auch eines mit Druck: Hört nicht auf mit den Bemühungen, bleibt bei den zeitlichen Zusagen für die Reformen.
Das sieht ja nicht nur die Bundesregierung so, sondern auch die Niederlande, die als besonders stabilitätsorientiert gelten: Finanzminister Jan Kees de Jager findet Samaras' Wunsch nach mehr Zeit für Reformen "keine gute Idee". Dem kann man nur zustimmen, erst recht vor dem nächsten Troika-Bericht.
Soll das ein Witz sein? Wenn ja, ist er miserabel. Denn die Signale aus Athen sind: seit dem Beginn der Krise hat es die griechische 'Elite' nicht geschafft, die vereinbarten Maßnahmen auch nur annähernd in die Realität umzusetzen. Nach wie vor regieren Nepotismus, Korruption, Steuerhinterziehung usw. Es aht sich da NICHTS geändert. Also nochmal: die Signale aus Athen sind ja durchaus ermutigend?