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  FTD-Spezial FTD-Serie: Labor Europa

Seit dem Ausbruch der Krise ist der Kontinent in Aufruhr. Europa kämpft um seinen Wohlstand. Die Mitgliedstaaten erleben historische Sparprogramme, dramatische Rettungsaktionen und große Machtverschiebungen. Die FTD zeichnet das gigantische Experiment nach - in Reportagen, Kommentaren und Grafiken.

Merken   Drucken   01.08.2010, 16:52 Schriftgröße: AAA

Labor Europa: Deutschlands ungeliebte Macht  

Kommentar Die Euro-Krise hat die Bundesrepublik in eine Schlüsselrolle innerhalb der Europäischen Union katapultiert. Doch die politische Führung ist darauf völlig unvorbereitet. von Wolfgang Proissl
Wolfgang Proissl ist FTD-Chefkorrespondent. Er hat für die europäische Denkfabrik Bruegel einen Essay über Deutschlands Haltung in der Euro-Krise geschrieben. Der englischsprachige Text mit dem Titel "Why Germany fell out of love with Europe" kann auf der Website des Brüsseler Instituts (www.bruegel.org) heruntergeladen werden.
Auf ihrer letzten Auslandsreise vor der Sommerpause machte Bundeskanzlerin Angela Merkel in Peking Station. Die deutsche Regierungschefin wurde in der chinesischen Hauptstadt hofiert, als sei sie die legitime Vertreterin ganz Europas. Premier Wen Jiabao versicherte der Kanzlerin, die EU und die Euro-Zone blieben trotz aller Probleme mit der Schuldenkrise weiter Chinas wichtigste Zielregion für Investitionen. Bei gemeinsamen Auftritten der beiden schuf die kommende Weltmacht bewusst den Eindruck, sie sehe in Merkel eine Art Präsidentin der Euro-Zone.
Damit bestätigt sich das Bild, das während der akuten Phase der Schuldenkrise um Griechenland in der ersten Hälfte dieses Jahres zu erkennen war. Die Rettung des notleidenden Landes und die Stabilisierung der Gemeinschaftswährung, wie sie an dem Wochenende vom 7. bis 9. Mai in Brüssel vereinbart worden waren, wurden von den Märkten nur deshalb als glaubwürdig angesehen, weil Deutschland nach langem Zögern sein Einverständnis gab. Mit anderen Worten: Als einziges Land der Währungsunion hat die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone de facto ein Vetorecht und kann damit den Partnern bei wirtschafts- und finanzpolitischen Grundsatzfragen bis zu einem gewissen Grad seine Bedingungen diktieren.

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  • FTD.de, 01.08.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 03.08.2010 15:27:32 Uhr   Germanenhengst: Führung in Deutschland...

    ...ist uns als Prinzip leider nach dem zweiten Weltkrieg gründlichst ausgetrieben worden. Es ist tatsächlich so - Deutsche vermeintliche Egoismen (welche jedem souveränen Wesen aber nunmal zustehen) können wir uns als Deutsche Nation aufgrund der "Bloß-nicht-rechts-denken-oder-äußern"-Erziehung selber am allerwenigsten zugestehen. Das Ausland reibt sich zwar des Häufigen verwundert die Augen, wie unser Selbstbewußtsein so im Keller sein kann, wo doch die ganze Welt allergrößte Achtung für unser Land mit seinen aktuellen Auswüchen hegt: Sei es sportlich, wirtschaftlich, gesellschaftlich. Von daher völlig richtig: Deutschland muss sich seiner dominaten Größe und Verantwortung - die sich so gern die Franzosen fast schon rücksichtlos auf die Fahnen schreiben - wieder entsinnen, aufrecht stehen und eigene Interessen formulieren und durchsetzen. Wie es jedes andere Land als selbstverständlich für sich selbst und auch für uns sieht.

  • 02.08.2010 16:30:22 Uhr   Demokrat: @junger_student: wirklich erschreckend
  • 02.08.2010 14:44:37 Uhr   Klartext: Es wird enden, wie es enden muss
  • 02.08.2010 13:29:36 Uhr   Michel in Spanien: JA zu Europa aber bitte ohne Währungsunion!
  • 02.08.2010 12:41:19 Uhr   Zeitzeuge: Deutschlands Rolle ein Europa
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