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  FTD-Spezial FTD-Serie: Labor Europa

Seit dem Ausbruch der Krise ist der Kontinent in Aufruhr. Europa kämpft um seinen Wohlstand. Die Mitgliedstaaten erleben historische Sparprogramme, dramatische Rettungsaktionen und große Machtverschiebungen. Die FTD zeichnet das gigantische Experiment nach - in Reportagen, Kommentaren und Grafiken.

Merken   Drucken   31.07.2010, 14:00 Schriftgröße: AAA

Labor Europa: EZB - die Grenzgänger  

Kaum eine andere Institution ringt derzeit mehr um ihre Identität als die Zentralbank: Nichts geht mehr ohne sie. Die neue Stärke hat ihren Preis - denn nun steht die EZB voll auf dem politischen Schlachtfeld. von Mark Schrörs  Frankfurt
Da ist es wieder, das Wort, das in diesen Tagen bei fast keinem Auftritt von Jean-Claude Trichet  fehlt: unabhängig. "Die EZB ist vollkommen unabhängig", sagt der Präsident der Zentralbank, als er an einem Sommerabend im Kaisersaal des Frankfurter Rathauses einen Preis verleiht. Un-ab-häng-ig.
Eigentlich spricht der 67-Jährige über die europäische Integration. Über Solidarität, über den Frieden in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Dann kommt der Schwenk zur EZB. "Die Aufgabe und die Unabhängigkeit des Euro-Systems sind im Vertrag verankert", sagt Trichet. Eine Botschaft an die Zuhörer im Saal. Aber auch eine Botschaft nach draußen. Wenn jemand so oft etwas betont, müssen Zweifel bestehen.
Nun ist es für Trichet nicht ungewöhnlich, die Unabhängigkeit der EZB zu verteidigen. Seit er 2003 an deren Spitze rückte, hat er das immer wieder getan. In diesen Tagen geht es allerdings nicht nur darum, ob er sich dem Druck einer Regierung widersetzt, den Leitzins 0,25 Prozentpunkte zu senken oder nicht. Spätestens nach dem Tabubruch im Mai, Staatsanleihen zu kaufen, geht es um mehr. Es geht um die Identität der EZB. "Die Euro-Krise ist ein entscheidender Einschnitt, ein Meilenstein für die Euro-Zone - aber ganz besonders auch für die EZB", sagt Marco Annunziata, Chefvolkswirt der italienischen Großbank Unicredit.

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