Seit dem Ausbruch der Krise ist der Kontinent in Aufruhr. Europa kämpft um seinen Wohlstand. Die Mitgliedstaaten erleben historische Sparprogramme, dramatische Rettungsaktionen und große Machtverschiebungen. Die FTD zeichnet das gigantische Experiment nach - in Reportagen, Kommentaren und Grafiken.
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Bei Fragen rund ums Abo wenden Sie sich bitte an unsere Service-Zentrale unter kundenservice@ftd.deFalls in naher Zukunft wirklich in Deutschland ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften herrschen sollte, so hat sich die Industrie das zu einem erheblichen Teil selbst zuzuschreiben. Über Jahre wurden viel zu viele über 55-jährige frühverrentet. Für Jugendliche wurden viel zu wenig Ausbildungsplätze bereitgestellt. Auch bei den Höchschulabsolventen dürfte auf jeden angebotenen Arbeitsplatz mehrere Dutzend Bewerber kommen.
Seit 2007 hat ferner nach dem Bericht der Bundesagentur über den Arbeitsmarkt für Akademiker die Zahl der Studienanfänger in den Ingenieurfächern wieder zugenommen. Dies wird in naher Zukunft zu steigenden Absolventenzahlen in diesen Fächern führen.
Das nächste ist: Was erwartet die Absolventen: Praktika, befristete Arbeitsplätze und Zeitarbeitsplätze. Das das nicht gerade Abiturienten in die gewünschten Studienfächer lockt, liegt auf der Hand. Inzwischen macht sich natürlich auch das gedrückte Lohnniveau in Deutschland bemerkbar, das gerade Spitzenkräfte dazu veranlasst, Arbeitsplätze im Ausland anzunehmen.
Eine weiterer Unsicherheitsfaktor ist der kommende Bedarf. Wer kann mit Sicherheit ausschließen, dass in den nächsten 10 bis 15 Jahren nicht noch ein guter Teil der Arbeitsplätze in der Industrie hier im Land verloren gehen werden, was den Bedarf u.U. kräftig senken dürfte. Die Erfahrungen der vergangenen zwei
Jahrzente sprechen dafür, dass der Exodus an Arbeitsplätze sich noch fortsetzen wird.
Es ist durchsichtig, wenn vom Wirtschaftsminister oder vom DIW jetzt der Ruf erfolgt, billige aber qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland zu holen. Der Verdacht liegt nahe, dass dadurch nur das Lohnniveau gedrückt werden soll.
Der Industrie muss allerdings zugute gehalten werden, dass die Wirtschaftspolitik in einigen Punkten in den letzten Jahren krass versagt hat: Um nur ein Beispiel zu nennen. Die deutsche Solarindustrie hat in kürzester Zeit eine Spitzenstellung in der Welt erreicht. Was ist dann passiert; wir haben eine so geniale Solarförderung installiert, dass jetzt über die Hälfte der Solarmodule für Deutschland in China gefertigt werden und der deutsche Stromkunde Milliarden dafür zahlt, die chinesische Solarindustrie zu fördern und deutsche Hersteller dafür gezwungen werden, ihre Produktion nach Ostasien zu verlagern. Wir sollte uns wirklich mal bei den Chinesen schlau machen, wie Förderung der heimischen Unternehmen effizient durchgeführt werden kann.
Zum Schluss: Die von Herrn Zimmermann beschriebene ideale Welt, in der alle Arbeitskräfte total mobil sind,
und weltweit miteinander konkurrieren, ist Illusion. Das können die Arbeitnehmer in der Mehrzahl weder wollen noch leisten und die Unternehmen auch nicht. Wozu gegenseitige Abwerbung führt, ist sehr schön beim Investmentbanking zu sehen. Oder im Gesundheitswesen, bei dem mittlerweise tausend deutsche Ärzte im Ausland arbeiten und hierzulande fehlen. Oder im Fußball....