Mit dem nun vorgelegten Entwurf schöpft Luxemburg den von der EU gegebenen Spielraum im Kampf gegen unerwünschte Übernahmen voll aus. Wie der luxemburgische Justizminister Luc Frieden am Dienstag erklärte, sei der Gesetzentwurf durch den Übernahmeversuch beim luxemburgischen Stahlkonzern Arcelor durch Mittal Steel nun beschleunigt worden.
Nach diesen Plänen soll der Vorstand in Luxemburg ansässiger Firmen größere Handlungsfreiheit haben, um feindliche Übernahmen abzuwehren. Das Gesetz würde es demnach den Unternehmen erlauben, Strategien zur Abwehr von Übernahmen einzusetzen, so genannte Giftpillen, ohne dafür eine Genehmigung durch die Hauptversammlung zu benötigen. Auch sollen betroffene Unternehmen alternative Käufer ohne die Zustimmung ihrer Aktionäre finden können.
Gesetz soll spätestens im Mai in Kraft treten
Das Gesetz richte sich nicht gegen eine bestimmte Firma, sagte Frieden. Es soll spätestens bis zum 20. Mai in Kraft treten. Die luxemburgische Regierung lehnt die Übernahme Arcelors durch den britisch-indischen Unternehmer Lakshmi Mittal strikt ab. Luxemburg ist mit 5,6 Prozent der größte bekannte Einzelaktionär von Arcelor.
Inzwischen ist Mittal Steels Übernahmeangebot für Arcelor über 18,6 Mrd. Euro bei der luxemburgischen Bankenaufsicht eingegangen. Damit kann die offizielle Prüfung beginnen. Die Bankenaufsicht hatte bereits am Freitag angekündigt, dass Angebot Mittals genau prüfen zu wollen. Es werde den Aktionären nur zugestellt, wenn es "umfassend, zusammenhängend und verständlich" sei.
Arcelor-Vorstand setzt Aktionärs-Gespräche fort
Mittal Steel will seine Investitionen in Ost- und Mitteleuropa aufstocken und so die Werke dem westeuropäischen Produktivitätsniveau näher bringen. Kritiker der Mittal-Offerte für Arcelor hatten besonders auf diese Produktivitäts-Schwachpunkte des Weltmarktführers hingewiesen.
Der
Arcelor -Vorstand setzt auch in dieser Woche seine Gespräche mit den Aktionären fort. Zu Medien-Spekulationen über den möglichen Kauf des großen US-Stahlherstellers U.S. Steel wollte Arcelor am Dienstag keine Stellung nehmen.