Michail Saakaschwili, neuer georgischer Präsident
Auch wenn er seinen Kampfanzug der Revolution, den olivgrünen Parka, gegen Anzug und Krawatte getauscht hat: Er will der Präsident der kleinen Leute bleiben. Wie sein achtjähriger Sohn sollen sie nicht "in einer Bananenrepublik" leben.
Die Ziele sind so ehrgeizig wie der neue georgische Präsident selbst. Innen- und außenpolitisch ziehen so viele Kräfte an ihm, dass es schwierig wird, die Balance zu halten. Anders als Mitte November, als er mit den Kreuzfahrer-Fahnen seiner "Nationalen Bewegung" und markigen Brandreden die Massen auf der Straße mitriss und seinen Ziehvater Schewardnadse stürzte, ist jetzt diplomatisches Fingerspitzengefühl gefragt. Eine Disziplin, in der er sich erst noch beweisen muss.
Im Machtkampf gegen Schewardnadse polterte er etwa, dieser habe den Separatismus nicht energisch genug bekämpft. Zur Not müsse eben zu den Waffen gegriffen werden, um die Abtrünnigen in Abchasien und Südossetien und Adscharien zur Räson zu bringen. Dass er damit Erfolg haben könnte, scheint jedoch kaum wahrscheinlich. Nicht nur, weil die Separatisten die Wahl nach Kräften boykottierten und Saakaschwilis Legitimität kaum anerkennen dürften. Sondern auch, weil sie von Moskau unterstützt werden. Einen offenen Konflikt mit Russland wird sich Sakaschwili nicht leisten wollen. Sensibel ist das Verhältnis ohnehin, weil der westlich orientierte Saakaschwili Georgien für Natotruppen öffnen und mit der Pipeline amerikanischer Investoren Geld verdienen will.