Kann Griechenland im Euro -Raum bleiben? Das Wahldebakel schürt Zweifel an der Konsolidierungsfähigkeit des südeuropäischen Landes. Der irische EZ-Banker Patrick Honohan hält einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone für verkraftbar. Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker will Griechenland mehr Zeit zum Sparen geben. Bundesaußenminister Guido Westerwelle mahnt mehr Sensibilität bei Verhandlungen mit dem hochverschuldeten Griechenland an.
Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ist nach Einschätzung des irischen EZB-Bankers Patrick Honohan verkraftbar. Dies könnte technisch realisierbar sein, würde aber das Vertrauen in die Euro-Zone als Ganzes beschädigen, sagte der Chef der irischen Zentralbank am Samstag bei einer Veranstaltung in Tallinn. "Es ist nicht notwendigerweise tödlich, aber auch nicht attraktiv", sagte Honohan.
Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat Griechenland davor gewarnt, bestehende Verträge mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Union nicht einzuhalten. "Wenn Athen nicht zu seinem Wort steht, dann ist das eine demokratische Entscheidung. Daraus folgt aber auch, dass die Grundlage für weitere Finanzhilfen entfällt", sagte er der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagsausgabe). Auch Geberländer müssten sich gegenüber ihrer Bevölkerung rechtfertigen.
In Griechenland war am Freitag der dritte Versuch einer Regierungsbildung gescheitert. Damit steuert das hochverschuldete Land auf Neuwahlen zu, bei denen Umfragen zufolge die erbitterten Gegner des Sparprogramms gewinnen würden. Allerdings dürfte Griechenland ohne internationale Hilfe Ende Juni das Geld ausgehen. Die Hilfe soll wiederum nur gewährt werden, wenn die Regierung in Athen das Programm akzeptiert.
Griechenland könne den Austritt aus der Euro-Zone verhindern und einen Weg finden, seine Verpflichtungen zu erfüllen, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn bei einer Konferenz in Tallin. Ein Austritt würde Griechenland mehr schaden, als den anderen Ländern der Währungsunion, sagte Rehn.
Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker will Griechenland mehr Zeit zum Sparen geben. Die europäischen Partner müssten ihren Zeitplan auf den Prüfstand stellen und die Verträge mit Griechenland im Zweifel nachbessern, sagte der luxemburgische Regierungschef der Nachrichtenagentur dpa.
Juncker warnte davor, den Druck auf Griechenland zu erhöhen. "Ich rate dringend davon ab, dass wir den Griechen über den Zaun zurufen, was sie zu tun haben. Wir sollten die Griechen selbst entscheiden lassen." An den vertraglich vereinbarten Konsolidierungszielen dürfe jedoch nicht gerüttelt werden. "Für mich ist ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone keine vernünftige Option. Für mich wäre eine völlige Abkehr Griechenlands von den verabredeten Konsolidierungsprogrammen genauso wenig eine Option", sagte Juncker.
Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat weitere europäische Finanzhilfen für Griechenland vom Einhalten des Spar- und Reformkurses durch die künftige Regierung in Athen abhängig gemacht. "Wenn eine neue Regierung die Vereinbarungen einseitig aufkündigt, dann wird es auch keine weiteren europäischen Hilfsgelder geben können", sagte er der Zeitung "Die Welt". Aus Sicht Westerwelles müsse Deutschland "ein höheres Maß an Sensibilität" zeigen. "Der Aufruf an die Griechen, ihre Inseln zu verkaufen, war verheerend." Stattdessen müsse mit Athen ruhig, sachlich und dennoch bestimmt verhandelt werden.
Der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, Andreas Schmitz, warnte vor der Gefahr eines Ansteckungseffekts auf andere Staaten, falls Griechenland aus der Euro-Zone austritt. "Griechenland stellt zwar einen Sonderfall dar", sagte er dem "Focus". Es bestehe aber die Gefahr, dass Investoren den Austritt weiterer Länder befürchten und die Zinsen dieser Staaten kräftig anziehen. Es sei fraglich, "ob die internationalen Finanzmärkte im Falle eines Austritts Griechenlands die Lage differenziert genug betrachten werden".