Zugleich sprach sich Schäuble wegen der Gefahr einer ungeordneten Insolvenz für ein neues Griechen-Hilfspaket und eine Umschuldung aus. Das Volumen des laufenden Hilfsprogramms für Griechenland reiche nicht aus. "Eine Rückkehr Griechenlands an den Kapitalmarkt im Jahr 2012, wie im laufenden Programm geplant, scheint mehr als unrealistisch." Schäuble rechnet deswegen mit einer "substanziellen" Ausweitung der Hilfen durch Europa sowie damit, dass der Internationale Währungsfonds sich weiter engagiert. Details zur Höhe der weiteren Hilfen nannte Schäuble nicht.
Frankreichs Haushaltsminister Francois Baroin wischte den Vorschlag beiseite. "Die französische Linie war bislang die Ablehnung einer Umschuldung Griechenlands und wir weichen nicht von dieser Linie ab, egal welche Bedingungen vorgeschlagen werden", sagte er nach einer Kabinettssitzung. Auch Finanzministerin Christine Lagarde hatte sich wiederholt gegen eine Neufestlegung von Laufzeiten ausgesprochen. Anders als die Europäische Zentralbank (EZB) sind die Franzosen nicht bereit, ihre Haltung zu überdenken.
EZB-Chef Jean-Claude Trichet hatte am Montag im kanadischen Montreal erstmals die Bereitschaft der Notenbank zu einer begrenzten Schuldenstreckung unter Beteiligung privater Gläubiger erkennen lassen. Bereits bei den Verhandlungen zum ersten Hilfspaket für die Griechen im vergangenen Jahr seien die privaten Gläubiger gebeten worden, ihr Engagement in dem Land aufrecht zu erhalten. Das wäre aus Sicht der EZB auch dieses Mal "angemessen". Eine generelle Umschuldung sei aus seiner Sicht aber weiterhin "nicht angebracht". Trichets Äußerungen wurden als Kompromissangebot an die Bundesregierung gedeutet.
Der EZB-Präsident legte Wert darauf, dass sein Vorschlag "kein Zahlungsausfall", also technisch betrachtet keine Pleite sei. Wie die Ratingagenturen Schäubles Vorschlag bewerten würden, ist derzeit offen. Käme es zu einer technischen Pleite Griechenlands, würden dadurch auch die Kreditausfallversicherungen (CDS) ausgelöst. Außerdem steht im Raum, dass die EZB ab diesem Zeitpunkt keine griechischen Staatsanleihen mehr als Sicherheit akzeptiert.