."Die Eurokrise wird für die deutschen Steuerzahler potenziell immer teurer", kritisierte ifo-Chef Hans-Werner Sinn am Samstag. Noch im April habe die Haftungssumme unter 400 Mrd. Euro gelegen. Falls Griechenland, Italien, Portugal und Spanien insolvent würden, hafte Deutschland für 33 Prozent der EZB-Kredite. In der Haftungssumme hätten die ifo-Wissenschaftler eine Insolvenz Italiens noch nicht als Möglichkeit unterstellt, erklärte das Institut.
"Die Märkte beobachten die deutsche Beteiligung an den Rettungspaketen mit zunehmender Nervosität und verlangen immer höhere Versicherungsprämien für deutsche Staatspapiere", erklärte ifo-Präsident Sinn. Im August sei die jährliche Prämie für die Versicherung zehnjähriger Staatspapiere erstmals auf das Niveau der britischen Staatspapiere gestiegen und habe den Wert von einem Prozent erreicht. "Bei Risikoneutralität entspricht dies einer vermuteten Konkurswahrscheinlichkeit Deutschlands von knapp zehn Prozent innerhalb von zehn Jahren", erklärte Sinn.
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte im ihrer Samstagsausgabe zuvor berichtet, Deutschland hafte im Extremfall für den erweiterten EFSF mit 400 Milliarden Euro. Grundlage dieser Schätzung waren Berechnungen der Deutschen Bank. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums sagte dazu am Freitagabend, man kenne die langfristige Finanzierungsstrategie des EFSF nicht. "Insofern sind Modellrechnungen mit gegriffenen Laufzeiten und Zinsen spekulativ und deswegen unrealistisch."
Der Bundestag soll am 29. September über eine Änderung des Stabilitäts-Mechanismus-Gesetzes abstimmen, in dem der deutsche Beitrag zum EFSF im deutschen Recht verankert wird. Opposition und CDU sind für die Änderungen, bei FDP und CSU gibt es zu dieser Frage streit. Die Regierung würde damit ermächtigt, Kreditgarantien von 211 Mrd. statt bislang 123 Mrd. Euro zu geben.