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Merken   Drucken   04.07.2011, 22:27 Schriftgröße: AAA

Neuer Missbrauchsvorwurf: Strauss-Kahn politisch am Ende

Dominique Strauss-Kahn droht eine weitere Klage wegen Vergewaltigung - diesmal in seiner Heimat. Frankreichs Sozialisten nennen den Einstieg des Ex-IWF-Chefs in das Rennen um die Präsidentschaft unwahrscheinlich.
© Bild: 2011 dpa
Dominique Strauss-Kahn droht eine weitere Klage wegen Vergewaltigung - diesmal in seiner Heimat. Frankreichs Sozialisten nennen den Einstieg des Ex-IWF-Chefs in das Rennen um die Präsidentschaft unwahrscheinlich. von Lutz Meier  Paris
Die Hoffnung vieler Franzosen auf ein politisches Comeback von Dominique Strauss-Kahn hat sich wahrscheinlich endgültig zerschlagen. Die Pariser Schriftstellerin Tristane Banon kündigte am Montag über ihren Anwalt eine Klage wegen versuchter Vergewaltigung gegen den Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) an. Er wolle die Klage am Dienstag an die Staatsanwaltschaft senden, sagte David Koubbi.
Damit dürften Strauss-Kahns Chancen auf eine Kandidatur bei der französischen Präsidentschaftswahl 2012 endgültig zunichte sein. Der 62-Jährige steht derzeit in den USA unter Vergewaltigungsverdacht, war aber am Wochenende aus dem Hausarrest freigekommen. Zuvor hatte die New Yorker Staatsanwaltschaft die Aussage seines mutmaßlichen Opfers massiv angezweifelt. In der Folge wuchs unter Strauss-Kahns Anhängern die Zuversicht, dass er rehabilitiert werden und für die oppositionellen Sozialisten Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy  herausfordern könnte. Vor seiner Festnahme am 15. Mai hatte Strauss-Kahn in Umfragen weit vor dem Amtsinhaber gelegen.
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Banon hatte den Vorwurf der versuchten Vergewaltigung bereits 2007 geäußert. Strauss-Kahn soll die heute 32-Jährige nach einem Interview zu Boden und sich auf sie geworfen haben. Auf eine Klage verzichtete sie demnach auf Drängen ihrer Mutter, einer sozialistischen Regionalabgeordneten. Um Aussicht auf Erfolg zu haben, müssen Banons Anwälte den Vorgang als Vergewaltigung werten. Sexuelle Nötigung wäre bereits verjährt. Die Chancen der Klägerin sind zwar gering, da Aussage gegen Aussage steht. Für mögliche Ambitionen Strauss-Kahns ist die Klage allein aber ein heftiger Dämpfer. Über seine Pariser Anwälte kündigte er an, Banon wegen verleumderischer Beschuldigung zu verklagen. Der Angriff, der im Februar 2003 stattgefunden haben soll, sei "eingebildet", erklärten sie.
Auch ohne die neue Klage wären die Aussichten auf ein Comeback Strauss-Kahns im Wettbewerb ums höchste Staatsamt gering. "Das ist die Möglichkeit, die am wenigsten wahrscheinlich ist", sagte der Parteisprecher der Sozialisten am Montag. Der Abgeordnete Jean-Christophe Cambadélis, der lange als politisches Sprachrohr Strauss-Kahns in Paris fungiert hatte, sagte nach einem Telefonat mit ihm, er habe ihn nicht gebeten, sich dafür einzusetzen, dass die Kandidaturen für die Kandidatenvorwahl offengehalten werden. Zuvor hatten Vertraute Strauss-Kahns gesagt, er habe jetzt keine Präsidentschaftskandidatur im Sinn, sondern allein seine Rehabilitierung.
Neue Umfragen legen nahe, dass auch die Wähler sein Comeback nicht herbeisehnen. Fast zwei Drittel der vom Institut BVA Befragten gaben an, sie glaubten nicht an eine Teilnahme Strauss-Kahns an den Vorwahlen, 54 Prozent wünschen das nicht. Im Oktober sollen alle Wähler, die sich zur Linken bekennen, die Möglichkeit haben, den Herausforderer Sarkozys zu bestimmen. Bislang genießen sowohl Martine Aubry  als auch François Hollande in Umfragen einen großen Vorsprung auf ihn. Auch bei den Linkswählern waren jene in der Mehrheit, die eine Rückkehr bezweifeln. Somit konzentriert sich der Wettbewerb bei den Sozialisten nun auf Parteichefin Aubry und ihren Vorgänger Hollande. Demoskopen geben Hollande einen leichten Vorsprung. "Ich bin mehr denn je ein normaler Kandidat für eine außergewöhnliche Zeit", warb er am Montag vor Anhängern auf den Antillen.
Die Bewerbungsfrist für die Vorwahlen endet am 13. Juli, einige Tage vor dem Gerichtstermin in den USA, bei dem der Prozess gegen Strauss-Kahn endgültig platzen könnte.
  • Aus der FTD vom 05.07.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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