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Merken   Drucken   02.05.2012, 10:13 Schriftgröße: AAA

Panicos Demetriades: Neues EZB-Mitglied rückt von Deutschland-Schelte ab

Das künftige EZB-Ratsmitglied Demetriades brachte Deutschland mit einer eigenwilligen Forderungen auf: Die Bundesrepublik müsse aus der Euro-Zone austreten, verlangte er. Davon distanziert er sich ein Jahr später.
© Bild: 2010 ddp
Exklusiv Das künftige EZB-Ratsmitglied Demetriades brachte Deutschland mit einer eigenwilligen Forderungen auf: Die Bundesrepublik müsse aus der Euro-Zone austreten, verlangte er. Davon distanziert er sich ein Jahr später.
von Frankfurt

Was hat Panicos Demetriades über Deutschland gewettert. Sogar ein Ausscheiden aus der Euro -Zone forderte der britisch-zyprische Wirtschaftsprofessor. Seine Argumente wird Zyperns designierter Zentralbankchef künftig an entscheidender Stelle anbringen können: Der 53-Jährige wird am Donnerstag auch neues Mitglied im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB). Von seiner harten Haltung gegenüber Deutschland distanziert sich Demetriades nun jedoch: "Ich bin dem Euro-Projekt voll verpflichtet und möchte, dass die Euro-Zone gestärkt wird", teilte er der FTD am Dienstag auf Anfrage in einer E-Mail mit. "Ich will in kollegialer Weise zur EZB-Anstrengung beitragen, eine nachhaltige Lösung zu finden, die wieder Vertrauen herstellt."

Die Klarstellung kommt nun ein Jahr, nachdem Demetriades mit einem Leserbrief in der Financial Times für Aufsehen gesorgt hatte. "Der Ausstieg Griechenlands und Portugals ist nicht die beste Lösung für die Probleme der Währungsunion", schrieb der Ökonom, der damals als Wirtschaftsprofessor an der Universität von Leicester lehrte. "Meiner Ansicht nach ergibt die Wiedergeburt der D-Mark viel mehr Sinn."

Denn die Schwäche der Euro-Peripheriestaaten sei nicht der Hauptgrund dafür, dass die Euro-Zone kein optimaler Währungsraum sei. Das läge vielmehr an der Stärke der deutschen Wirtschaft. "Ohne Deutschland in der Euro-Zone würde der Euro schnell abwerten, und das würde helfen, die Wettbewerbsfähigkeit der Peripherie wiederherzustellen", argumentierte Demetriades damals. Auch für die Deutschen sah der Zyprer nur Vorteile: "Die D-Mark würde schnell eine naheliegende Alternative zum Dollar  als Reservewährung werden, da die Bundesbank ihren Status als die Zentralbank wiedergewinnen würde, die am härtesten gegen Inflation kämpft." Auch die Aufwertung der D-Mark wäre demnach zu verkraften, weil das wieder erstarkte Wachstum in Resteuropa die Nachfrage nach deutschen Produkten stützen würde.

Von seiner Forderung rückt Demetriades nun ab: "Damals gab es Aufrufe in Europa, darunter auch in Deutschland, dass Griechenland und Portugal die Euro-Zone verlassen sollten. Als unabhängiger Akademiker entschied ich mich für eine augenzwinkernde Antwort an diejenigen, die einen Ausstieg der schwächeren Mitglieder forderten."

Neben dieser delikaten Positionierung gegenüber seinen künftigen EZB-Kollegen steht er auch als Zentralbankchef in Zypern vor gewaltigen Aufgaben. Sein Vorgänger Athanasios Orphanides hatte sich mit der Regierung in Nikosia und besonders mit dem kommunistischen Präsidenten Dimitris Christofias überworfen. Er hatte deren Haushaltspolitik gegeißelt und sich geweigert, die leeren Regierungskassen mit dem Verkauf von Zentralbankgold zu füllen. Zudem liegt der Bankensektor der drittkleinsten Euro-Volkswirtschaft am Boden und muss nach Ansicht von Experten möglicherweise mit Staatsgeld gerettet werden.

Wenn Demetriades seine beiden Ämter am Donnerstag antritt, wird der EZB-Rat mit Notenbankchef Mario Draghi und den 22 anderen Direktoriumsmitgliedern und nationalen Euro-Zentralbankpräsidenten in Barcelona tagen. An seinem ersten Tag wolle er jedoch nicht gleich zu dem Treffen reisen, sagte Demetriades der FTD.

  • Aus der FTD vom 02.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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