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Merken   Drucken   17.10.2011, 12:57 Schriftgröße: AAA

Präsidentenwahl 2012: Wer Sarkozy vom Thron stoßen will

Der Sozialist Hollande fordert den Amtsinhaber heraus. Aber die Wahl im Frühjahr 2012 ist mehr als ein Zweikampf. Im rechten und linken Lager laufen sich noch andere Politiker warm. FTD.de ordnet das Kandidatenfeld. von Kai Beller  Berlin
Präsident Nicolas Sarkozy ist laut Umfragen bei den Franzosen derzeit extrem unbeliebt. Noch nie in der Geschichte der Fünften Republik musste ein Staatschef mit so schlechten Werten in das Rennen um seine Wiederwahl ziehen. Dem von den Sozialisten gekürten Kandidaten François Hollande werden große Chancen eingeräumt, die Linke zurück in den Elysée-Palast zu führen.
Doch noch ist nicht ganz klar, mit wem sich die beiden Favoriten sonst noch auseinandersetzen müssen. Und Sarkozy hat noch nicht einmal kundgetan, ob er überhaupt für eine zweite Amtsperiode kandidieren wird.
Nicolas Sarkozy   Nicolas Sarkozy
Zögert Sarkozy mit der Bekanntgabe seiner Kandidatur, weil er sich keine Chancen ausrechnet? Die Nation wartet immer noch ein Wort ihres Präsidenten. Nach Angaben der Sonntagszeitung "Journal du Dimanche" wollte Sarkozy die Kandidatenkür der Sozialisten abwarten, bevor er selber seine Kampagne startet. Es gab aber auch Gerüchte, er wolle sich nach der Geburt seines gemeinsamen Kindes mit seiner Frau Carla Bruni-Sarkozy aus der Politik zurückziehen.
Das konservative Lager müsste sich dann einen neuen Bewerber suchen. Der 66-jährige Außenminister Alain Juppé gilt als möglicher Ersatzkandidat, dem Ambitionen auf das höchste Amt nachgesagt werden. Offiziell bekundet er Loyalität zu Sarkozy.
Ausgestiegen: Jean Louis Borloo machte einen Rückzieher   Ausgestiegen: Jean Louis Borloo machte einen Rückzieher
Ein bürgerlicher Kontrahent ist aus dem Rennen ausgeschieden: Jean-Louis Borloo erklärte Anfang Oktober seinen Verzicht auf eine Kandidatur. Der frühere Umweltminister war aus dem konservativen Regierungsbündnis ausgestiegen und hatte eine eigene Partei gegründet. Er wollte die Mitte der französischen Gesellschaft ansprechen.
Dort könnte nach seinem Verzicht Raum für François Bayrou sein, der 2007 im ersten Wahlgang 18,5 Prozent erreicht hatte. In Umfragen wurden Bayrou und Borloo zuletzt bei bis zu acht Prozent gesehen.
Ein paar Prozente könnte Sarkozy auch sein Erzrivale Dominique de Villepin kosten. Der frühere Premierminister will nach seinem Freispruch von Verleumdungsvorwürfen gegen den Präsidenten in das Kandidatenrennen einsteigen.
François Hollande   François Hollande
Wäre die Wahl jetzt, würde der Sozialist Hollande den konservativen Präsidenten wohl locker schlagen. In Umfragen liegt er deutlicht vor dem unpopulären Amtsinhaber. Dabei gilt Hollande als spröde. Doch bei den Franzosen ist effekthascherische Zampano Sarkozy in Ungnade gefallen. Vom bodenständigen Hollande erhoffen sich viele mehr Verlässlichkeit und weniger Affären.
Hollande gehört zum gemäßigten Flügel seiner Partei. Im innerparteilichen Wahlkampf versprach er, bis 2017 die Staatsverschuldung auf Null zu senken und das Steuersystem zu reformieren sowie Schlupflöcher für wohlhabende Franzosen zu schließen. Außerdem will er 60.000 neue Lehrerstellen schaffen.
Im Wahlkampfendspurt waren von ihm auch kritische Töne über Banken zu hören. Er wollte sich damit die Stimmen globalisierungskritischer Sozialisten sichern.
Mit Hollande hofft seine Partei einen Kandidaten gefunden zu haben, hinter dem alle Parteiflügel stehen. Die unterlegene Parteichefin Martine Aubry sagte ihm bereits ihre Unterstützung zu. Auch das erstmals praktizierte Vorwahlverfahren, an dem auch Nicht-Mitglieder teilnehmen konnten, erwies sich als Erfolg. Die Wahl des Volkes gebe Hollande eine besondere Legitimation, sagte Kampagnenleiter Pierre Moscovici.
Marine Le Pen   Marine Le Pen
Unter ihrer neuen Parteichefin Marine Le Pen erlebt der Front National (FN) einen Aufschwung. Bei den Regionalwahlen im Frühjahr rückten die Rechtspopulisten der UMP von Sarkozy gefährlich nah auf die Pelle. Umfragen sehen Le Pen im ersten Wahlgang bei 16 Prozent. Zeitweilig sah es sogar so aus, als könnte Le Pen Sarkozy im ersten Wahlgang überflügeln.
Marine Le Pen kommt nicht so polternd daher wie ihr Vater Jean-Marie. Sie wirkt sympathischer auf die Franzosen, die vor dem Provokateur Le Pen Angst hatten. Nach der Präsidentenwahl 2002, als sich Le Pen für die Stichwahl gegen den damaligen Staatschef Jacques Chirac qualifizierte, ging es bergab für den FN. Die Tochter stoppte den Niedergang.
Inhaltlich setzt Marine Le Pen weiterhin auf Rechtspopulismus. Sie polemisiert gegen Muslime und spricht sich für die Abschaffung des Euro aus. Sarkozy stieg auf die Themen des FN ein. Doch seine Law-und-Order-Politik mit der gezielten Ausweisung von Roma aus Frankreich verfing nicht. Der Zulauf für die Rechtspopulisten hält an.
Eva Joly   Eva Joly
Die französischen Grünen bestimmten ähnlich wie die Sozialisten ihren Kandidaten in einer Vorwahl. Dabei setzte sich mit der Europaabgeordneten Eva Joly die Außenseiterin gegen den Favoriten Nicolas Hulot durch. Dem TV-Moderator war ein glänzendes Ergebnis zugetraut worden.
Doch die Partei entschied sich für die 66-jährige, aus Norwegen stammende Politikerin. Vielen Grünen war Hulot nicht links genug. Laut den Wahlbefragungen können die Grünen aber auch mit Joly auf ein gutes Ergebnis hoffen. Fünf bis acht Prozent der Stimmen werden ihnen zugetraut. Damit können sie Bedingungen für die Unterstützung einer beiden Kandidaten in der Stichwahl formulieren.
Jean-Luc Mélenchon ist ebenfalls ein linker Kandidat. Er hat den Sozialisten den Rücken gekehrt und tritt für eine neue Linksbewegung unter Einschluss der französischen Kommunisten an. Er soll den drastischen Stimmenverfall der Kommunisten stoppen. Umfragen sehen ihn bei sechs bis sieben Prozent.
  • FTD.de, 17.10.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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