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Merken   Drucken   14.05.2012, 08:02 Schriftgröße: AAA

Pressestimmen: "Hannelore Kraft ist eine Merkel in Rot"

Wahlen in NRW waren schon immer ein Fingerzeig auf Berlin, meinen die deutschen Leitartikler. Hannelore Kraft hat ihrer Meinung nach verdient gewonnen - und könnte mit Rot-Grün zur Gefahr für die Bundeskanzlerin werden.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Michael Kappeler
Wahlen in NRW waren schon immer ein Fingerzeig auf Berlin, meinen die deutschen Leitartikler. Hannelore Kraft hat ihrer Meinung nach verdient gewonnen - und könnte mit Rot-Grün zur Gefahr für die Bundeskanzlerin werden.

"Flensburger Tageblatt": Renaissance von Rot-Grün

"SPD und Grüne haben Grund zum Jubeln. Aus der Minderheitsregierung in Düsseldorf ist eine Zweierkoalition mit stabiler Mehrheit geworden. Das Signal für den Bund könnte deutlicher nicht sein: Die Renaissance von Rot-Grün gewinnt an Fahrt. Doch zeigt Nordrhein-Westfalen trotz des CDU-Desasters auch, wo deren Vorsitzende und Kanzlerin Angela Merkel punkten kann. Starke politische Charaktere sind gefragt. Hannelore Kraft hat es an Rhein und Ruhr allen gezeigt."

"Auch wenn die SPD jetzt die Kanzlerdämmerung beschwört: Merkel wird nicht wie einst Gerhard Schröder den Befreiungsschlag in Neuwahlen suchen. Aber sorglos weiterregieren können Union und FDP nicht. Auch wenn die Liberalen nach der zweiten gewonnenen Landtagswahl in acht Tagen dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen sind, ist Schwarz-Gelb ein Auslaufmodell. Und was hilft der Kanzlerin ihre Beliebtheit im Volk, wenn ihr im Bund und in den Ländern die Machtbasis wegbricht? Merkel wird zur Königin ohne Land."

"Landesweit gaben drei Viertel der Wähler dem Kürzel NRW eine neue Bedeutung: nicht Röttgen wählen... Zu warnen ist indessen vor bundespolitischen Überhöhungen des NRW-Ergebnisses, wie sie gelegentlich aus der SPD zu hören sind. Übertrieben wäre es beispielsweise, nun Frau Kraft gleich zur neuen potenziellen Kanzlerkandidatin auszurufen. Sie hat, ein bisschen wie weiland Johannes Rau, eine Art 'Wir in NRW'-Gefühl geweckt. Aber sie wurde in diesem Wahlkampf gegen den sich selbst nach unten schraubenden Röttgen nicht wirklich geprüft."

"Hannelore Kraft ist ein paar Jahre jünger als Angela Merkel. Sie vertritt andere politische Positionen, vor allem wenn es ums Geld geht. Merkel will dem Staat das Schuldenmachen austreiben, Kraft findet Schulden nicht schlimm. Dennoch haben diese beiden Frauen viel gemeinsam. Beide haben eine menschliche, ja mütterliche Ausstrahlung. Sie verunsichern ihre Wähler nicht, sondern versuchen ihnen Sicherheit in unsicheren Zeiten zu vermitteln. Sie lassen andere die harten Debatten führen, ohne selbst zu polarisieren. Sie schaffen Vertrauen. Von ihrem Naturell her ist Hannelore Kraft eine Merkel in Rot. Gerade deshalb sollten die ach so wichtigen Männer in der SPD sich vorsehen."

"Eine Mehrheit der Wähler will ganz offenbar den behütenden und die Dinge regelnden Staat. Einen starken Staat, der verteilt, auch wenn er das auf Pump tut und sich eigentlich schwächt. Da passte es, dass sich Hannelore Kraft, die man auch barsch und streng kennt, geschickt als Landesmutter zu inszenieren wusste. All das wird Konsequenzen auch für die Politik in Berlin haben. Zum einen wird Kraft, ob sie es will oder nicht, als mögliche Kanzlerkandidatin gehandelt. Ihr Wohlfühlwahlkampf wird uns 2013 wieder begegnen - weil er Erfolg hatte."

"Das Desaster hat einen Namen: Norbert Röttgen. Insofern war das eine Anti-Röttgen-Wahl und bei weitem keine Anti-Merkel-Wahl. Trotzdem: Gut ein Jahr vor der nächsten Bundestagswahl kommt Rot-Grün mit Macht. Wahlen im bevölkerungsreichsten Bundesland waren schon immer ein Fingerzeig. Hinzu kommt, dass sich in Baden-Württemberg die politischen Kräfteverhältnisse aus Sicht der Christdemokraten dramatisch verändert haben und sich die CSU in Bayern immer weiter auf dem absteigenden Ast befindet. Umso wichtiger ist der Aufwärtstrend der FDP - in Reihen der CDU allein darauf zu setzen, dass die Liberalen wieder langfristig zurück finden in die Spur, wäre jedoch fahrlässig."

  • dpa, 14.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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