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Merken   Drucken   15.11.2012, 07:45 Schriftgröße: AAA

Pressestimmen zur Attestpflicht: "Manchmal ist Vertrauen besser als Kontrolle"

Die neue Regelung zur Attestpflicht ruft bei den Leitartiklern ein geteiltes Echo hervor. Während einige die Neuerung begrüßen, halten andere Kommentatoren sie für übertrieben. Wieder andere befürchten, dass Arbeitnehmer jetzt öfter krank zur Arbeit gehen - und dabei die Kollegen anstecken.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Arno Burgi
Die neue Regelung zur Attestpflicht ruft bei den Leitartiklern ein geteiltes Echo hervor. Während einige die Neuerung begrüßen, halten andere Kommentatoren sie für übertrieben. Wieder andere befürchten, dass Arbeitnehmer jetzt öfter krank zur Arbeit gehen - und dabei die Kollegen anstecken.

"Hessische Niedersächsische Allgemeine" (Kassel)

"Das Problem wäre mit einer klaren und einheitlichen gesetzlichen Regelung aus der Welt zu schaffen. Künftig sollte überall nur noch die Ein-Tages-Grenze gelten - für sämtliche Arbeitnehmer: Misstrauen sowie Mobbingpotenzial könnten so eingedämmt, wenn nicht überwunden werden. Denn die Kernaussage des Erfurter Urteils ist vernünftig und fair für Arbeitgeber sowie Beschäftigte: Wer nicht arbeitsfähig ist, ist krank. Und wer krank ist, muss zum Arzt, nicht erst am dritten Tag, sondern sofort."

"Nordbayerischer Kurier" (Bayreuth)

"Es sollen ja auch schon Leute vom Arzt länger krankgeschrieben worden sein als unbedingt nötig. Viele Chefs begnügen sich jedenfalls mit der großzügigeren Regelung, vertrauen ihren Beschäftigten und verlangen das Attest erst am dritten Krankheitstag. Sie würden das kaum tun, wären sie nicht gut damit gefahren. Oft ist es doch genau andersrum: Menschen gehen arbeiten, obwohl sie krank sind, und stecken womöglich Kollegen an. Auch daraus entstehen Fehltage. Über die gibt es aber keine Statistik."

"Rhein-Zeitung" (Koblenz/Mainz)

"Firmen muss es erlaubt sein, in bestimmten Fällen flexibel reagieren zu können - zum Beispiel auf Mitarbeiter, die ihre Krankheiten gern immer an Montagen, Freitagen oder Brückentagen nehmen und die dafür auch keine plausible medizinische Erklärung parat haben. Unternehmen tun allerdings gut daran, wenn sie daraus kein allgemeingültiges Prinzip machen oder die Forderung nach einem sofortigen Attest gar als Drohkulisse für die Mitarbeiter aufbauen. Man kann sich leicht ausmalen, was passiert, wenn jeder Mitarbeiter sofort im Wartezimmer einer Arztpraxis landet. In vielen Fällen wird aus dem ehemals einen Krankheitstag wahrscheinlich viel mehr."

"Das Delmenhorster Kreisblatt"

"Wer seine Beschäftigten sofort zum Arzt schickt, muss sogar Nachteile in Kauf nehmen. Wohl jeder hat sich schon einmal für einen Tag abgemeldet, um einen leichten Infekt auszukurieren. Beim Hausarzt könnten für die gleichen Symptome schnell drei Krankentage herausspringen. Viel schwerer aber wiegt, dass ein Arbeitgeber seiner Belegschaft ein fatales Signal sendet, wenn er plötzlich massenhaft gelbe Scheine einfordert. Manchmal ist Vertrauen besser als Kontrolle."

"Die Welt" (Berlin)

"Betriebsärzte haben ein Sensorium dafür entwickelt, Brückentagskrankschummler zu erkennen. Die Möglichkeit, ab dem ersten Tag eine Krankschreibung zu verlangen, kann dem zumindest partiell Einhalt gebieten, denn die Hürde ist groß, sofort einen Arzt aufsuchen zu müssen. Auch dessen Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel. Natürlich hat jeder Angestellte ein Recht auf Auszeit im Krankheitsfall. Jeder Arbeitgeber hat aber auch ein Recht auf Kontrolle, wenn es an Vertrauen mangelt."

  • dpa, 15.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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