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Merken   Drucken   14.01.2005, 01:00 Schriftgröße: AAA

Prinz Harry: Don’t mention the war

Prinz Harry, Nummer drei in der britischen Thronfolge, entsetzt die Briten mit Nazi-Aufmachung. So dumm kann kein Prinz sein. von Eva Busse
Prinz Harry entsetzt die Briten mit Nazi-Aufmachung   Prinz Harry entsetzt die Briten mit Nazi-Aufmachung
Da trägt Harry, Dritter in der britischen Thronfolge, auf einer Londoner Party eine Hakenkreuzbinde am Oberarm. Aus Spaß hatte er sich zum Kostümfest eines Freundes als Wehrmachtssoldat von Rommels Afrika-Korps verkleidet. Obendrein klebte auf der Rückseite seiner Jacke die bundesrepublikanische Flagge. In diesem Aufzug ließ er sich, Fluppe und Drink in der Hand, fotografieren. Das Foto landete am Donnerstag auf der Titelseite des Boulevardblatts "Sun". Überschrift: "Harry the Nazi". Landesweites, internationales Entsetzen. So dumm darf keiner sein, nicht einmal ein Windsor.
Selbst die Briten sind "not amused", obwohl sie sonst mit Naziwitzen wenig zimperlich sind. Oppositionschef Michael Howard, dessen Großmutter in Auschwitz ermordet wurde, gab die Königstreue der Konservativen auf und tadelte den Prinzen öffentlich. Der entschuldigte sich zwar prompt - aber nur für seine "schlechte Kostümwahl".
Es ist der schlimmste Fehlgriff des Partylöwen. Bislang nämlich hat Henry Charles Albert David den Familienbetrieb am Laufen gehalten: Er ist ein Meister im Füttern der Regenbogenpresse und garantiert damit das unter New Labour umstrittene Weiterbestehen der Monarchie.
Prinz mit hohem Unterhaltungswert
Hohen Unterhaltungswert besaß schon seine Geburt im Jahr 1984. Denn anders als sein dunkelhaariger Vater Prinz Charles kam Harry mit genauso feuerrotem Schopf zur Welt wie der damalige Reitlehrer von Prinzessin Diana. Von ihr, die die Klatschspalten noch Jahre nach ihrem Tod mit Sensationen versorgt, hat Harry offensichtlich viel gelernt. Auch von seinem gesetzlichen Vater hat er das Gespür für Aufsehenerregendes geerbt. Die Fantastereien des Prince of Wales gegenüber seiner Geliebten Camilla Parker Bowles sind zum Klassiker geworden.
Harry ist dabei, die Schlagzeilen über die Eltern zu toppen: Mit 16 wurde er betrunken von der Polizei aufgelesen. Titelgeschichte. Dann roch der Kammerdiener Marihuana in seinem Zimmer. Titelgeschichte. Charles schickte den missratenen Sohn in eine Entzugsanstalt. Nur zum Erschrecken, aber: Titelgeschichte. Im vergangenen Jahr, das Harry damit verbrachte, sein miserables Abitur zu feiern, ging es noch turbulenter zu: Er knutschte entgegen der Etikette am Hof öffentlich mit seiner Freundin. In argentinischen Dorfbodegas ließ er sich volllaufen. Und im Stil seines entfernten Verwandten aus Hannover prügelte er einen Fotografen.
Mit der jüngsten Titelgeschichte hat der Prinz nicht nur aus deutscher Sicht gefährliches Terrain betreten. Im 60. Jahr nach dem Sieg über Hitler ist den Briten vor allem nach stolzem Gedenken zumute. Stattdessen erinnert der junge Prinz sie nun an seinen Großonkel: König Edward VIII. trug kein Kostüm, er war ein echter Anhänger von Hitler. Bis jetzt galt er als Dümmster der Familie.
  • FTD, 14.01.2005
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