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Merken   Drucken   16.02.2011, 08:00 Schriftgröße: AAA

Regierungschef vor Gericht: Silvio Berlusconis Schandtaten

Der Politiker sieht sich als größter Staatsmann Italiens. Zu Recht: Keiner blamiert das Land so gut wie Berlusconi - nicht nur durch Bunga-Bunga-Parties. Eine Übersicht seiner Fehltritte.
© Bild: 2011 AP/dapd
Der Politiker sieht sich als größter Staatsmann Italiens. Zu Recht: Keiner blamiert das Land so gut wie Berlusconi - nicht nur durch Bunga-Bunga-Parties. Eine Übersicht seiner Fehltritte. von Andre Tauber 
Anderswo stürzen Politiker auch mal über Skandälchen. Italien ist anders: Dort sorgt Regierungschef Silvio Berlusconi seit seinem Amtsantritt dafür, dass die Serie an Politaffären, Dreistigkeiten und Peinlichkeiten nicht abreißt. Ein Überblick:
Offiziell darf sich Berlusconi einer weißen Weste rühmen: Niemals wurde er in einem Gerichtsverfahren schuldig gesprochen. Dank verfassungswidriger Gesetze und Verfahrenstricks hat er seinen Hals stets aus der Schlinge gezogen, während seine vermeintlichen Handlager oft bestraft wurden. Vorwürfe der Steuerhinterziehung, Bilanzfälschung, Bestechung und Korruption prallten an ihm ab.
Berlusconi unterstützt die Wirtschaft, wo er kann. Vor allem seine eigenen Firmen. Seine Sendergruppe Mediaset profitierte von maßgeschneiderten Regeln zur Frequenzvergabe, wettbewerbswidrigen Hilfen sowie scharfen Steuergesetzen für den Rivalen Sky Italia. 17 Gesetze und Dekrete zählt die Zeitung "Repubblica" auf, die auf Berlusconi zugeschnitten sind - darunter auch ein Dekret, das ihm den Ausbau seiner sardischen Villa erlaubt.
Würden sich die Italiener ein Beispiel an Berlusconi nehmen, wäre das Land pleite. Steuerhinterziehung rechtfertigte der Premier als Notwehr gegen den Staat. Er geht mit schlechtem Beispiel voran: Berlusconi steht im Verdacht, sein Vermögen mit Steuertricks zu schützen. Zuletzt geriet er wegen eines Hauskaufs auf Antigua in die Kritik.
Berlusconi treibt sich des Öfteren in Juweliergeschäften herum. Gerne verschenkt er Brillanten. Zu Weihnachten bekam jede Abgeordnete seiner Partei einen Ring. Seiner eigenen Frau zeigt er sich weniger großzügig. Seit Monaten verhandelt er mit Veronica Lario, die genug von Silvios Frauengeschichten hat, über die Scheidung. Lario verlangt 3,5 Mio. Euro Unterhalt. Pro Monat! Das ist selbst Berlusconi zu teuer.
"Wenn ich drei Stunden schlafe, kann ich noch immer drei Stunden Liebe machen", prahlte Berlusconi vor zwei Jahren. Das ist auch amtlich belegt. Die Prostituierte Patrizia D'Addario gab der Staatsanwaltschaft zu Protokoll, dass Berlusconi im Bett zum Stier werde. Jetzt will die Staatsanwaltschaft nachweisen, dass er auf seinen Bunga-Bunga-Partys zahlreiche junge Frauen verführte - mit Geld oder der Aussicht auf Karrieren im Showbiz oder der Politik. Die Rechtfertigung des Cavaliere: Besser Frauen lieben als homosexuell sein.
Berlusconi liebt schöne Frauen nicht nur im Bett, er mag sie auch im Parlament. Die Opposition habe "übel riechende" Abgeordnete, klagt er. In seiner Partei ist das anders. Zwei von fünf Ministerinnen waren einst Miss-Italia-Finalistinnen. Berlusconi verteidigt sich aber gegen den Verdacht, nur nach Äußerlichkeiten zu entscheiden. Beispiel: Barbara Matera. Das Showgirl habe er zur Europaabgeordneten gemacht, weil sie die Freundin des Sohnes eines Freundes seines Kabinettschefs war, erklärte er neulich. Leistung zahlt sich also doch aus.
Der Gärtner war's. Es wird Berlusconi immer nachhängen, dass er Vittorio Mangano in den 70er-Jahren zum Stallmeister in seinem Anwesen machte. Mangano war Mafioso. Auch wegen dieser Verbindung wird hinterfragt, welche Rolle die Mafia beim Aufstieg Berlusconis vom Sänger auf Kreuzfahrtschiffen zum Bauunternehmer und Medienmogul spielte.
Berlusconi verpasst keine Gelegenheit, sein Land zu blamieren. Nicht nur, dass er der Polizei vorlog, die Nachtclubtänzerin Karima El Mahroug sei die Nichte des ägyptischen Ex-Staatspräsidenten Hosni Mubarak. Er nennt US-Präsident Barack Obama "braun gebrannt" und erschreckt Angela Merkel mit einem lautem Kuckuck.
Berlusconis außenpolitische Bilanz ist unschlagbar: Er überredete Obama dazu, Milliarden in die Wirtschaft zu pumpen. Dessen Vorgänger George W. Bush gab er den Rat, die Banken zu retten. Er beendete den Georgienkrieg und leitete die Abrüstung zwischen den USA und Russland ein. Sagt jedenfalls Berlusconi.
  • Aus der FTD vom 16.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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