Es gibt mehrere Lektionen, die man aus dem Scheitern der niederländischen Minderheitsregierung ziehen kann. Die wichtigste (und eine, die schon lange bekannt sein sollte): Irgendwann wird die Rechnung präsentiert, wenn man sich abhängig macht von einem Populisten wie Geert Wilders. Und zwar immer. Wenn man Angstmachern erlaubt, Zünglein an der Waage zu spielen, ihnen ohne Not politische Mitspracherechte einräumt, sich die Hofierten aber gleichzeitig als Oppositionelle in Szene setzen dürfen, dann rächt sich das. Wilders konnte stets seine Europafeindlichkeit zelebrieren, während sich die von ihm geduldete Regierung aus Liberalen und Christdemokraten an der Euro-Krise abarbeiten musste.
Jetzt zahlen die Niederlande den Preis für diese Mesalliance: Die Haushaltsverhandlungen sind geplatzt, ausgerechnet bei der symbolisch so wichtigen Frage, ob die Niederländer den Euro-Sparkurs umsetzen. Am Schluss ging es um ein Einsparvolumen von rund 16 Mrd. Euro - nicht wenig, doch für ein Land wie die Niederlande mehr als machbar. Die Botschaft dieses Scheiterns ist für die wieder nervöser gewordenen Finanzmärkte deshalb dramatischer als das ach so unheimliche sozialistische Schreckgespenst in Frankreich. Denn wenn selbst die wirtschaftlich relativ gut aufgestellten Niederländer nicht in der Lage sind, die Drei-Prozent-Defizitvorgabe umzusetzen, wie soll man das dann von Euro-Ländern mit viel größeren Problemen verlangen? Die Antwort ist: Das geht nicht. Der Fiskalpakt wäre dann am Ende.
Mit dem Rücktritt der Regierung Rutte erweist sich der prozyklische Austeritätskurs in Europa wieder mal als das größte Entsorgungsprogramm für Regierungen in der jüngeren Geschichte - und als Einfallstor für radikale Strömungen. Auch das eigentlich keine neue Lektion. Doch es gibt tatsächlich auch eine (für manche) überraschende Erkenntnis aus dem niederländischen Debakel - zumindest für Verfechter der Theorie von den stabilen Nordländern der Euro-Zone und den laschen Südländern. Eine Theorie, die besonders gern in Deutschland verfochten wird. Man staune also: In der Euro-Krise sind angeblich stabilitätsorientierte Niederländer genauso wenig gefeit wie Spanier oder Italiener. Eine Erkenntnis, die helfen könnte, die Krise nicht nur als Disziplinierungsproblem wahrzunehmen.
weniger Machtgeilheit verhindert, daß wackelige Mehrheiten regieren (müssen).
Und weiter zum Thema Wilders: Immerhin verhindert sein offener Diskurs zum Thema Überfremdung und Zuwanderung von Moslems einen holländischen Breivik. Jeder vorbehaltslose Betrachter der norwegischen Szenerie konnte geradezu prognostizieren, daß etwas geschehen könnte, was den Knoten auflösen mußte, der durch die verkrampft gutmenschliche Diskursverweigerung zum Thema geschürzt worden war.
So gesehen hatte auch Dänemark es besser, wo sich immerhin etliche Menschen fanden, die dem verblasenen Islamismus die Stirn boten. Dort sind demzufolge die Bösen immer noch die Anderen - allerdings zu einem hohen Preis, der die Sache allerdings wert ist.