Euro-Gruppenchef Juncker warnte davor zu denken, "dass es einfach reicht, einen brutalen Schuldenschnitt in Griechenland vorzunehmen. Man muss dafür Sorge tragen, dass dies nicht zu Ansteckungsgefahren in der Euro-Zone führt", sagte er am Montagabend im ORF.
Europa rüstet sich gerade gegen eine Ausweitung der Krise und versucht, die Banken vor einem weiteren Lehman zu bewahren. Die Geldhäuser sollen notfalls gezwungen werden, frisches Geld vorzuhalten, um nicht in Schieflage zu geraten, wenn sie nach einem scharfen Haircut weitere Milliarden auf griechische Staatsanleihen abschreiben müssen. Als erste Bank musste der französisch-belgische Kommunalfinanzierer Dexia wegen einer Schieflage mit fast 100 Mrd. Euro abgesichert werden.
Deutschland und Frankreich unterstützen gemeinsam die Pläne für eine Kapitalaufstockung der größten europäischen Banken. Die Branche wehrt sich massiv dagegen. US-Präsident Barack Obama sagte der neuen deutsch-französischen Initiative zur dauerhaften Rettung des Euro Unterstützung zu. Das teilte das Amt von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy am Montagabend mit. Der französische Staatschef habe Obama telefonisch über seine Beratungen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) informiert.
Zum genauen Umfang des Betrags, den die griechischen Geldgeber bei einem Haircut verlieren würden, wollte sich der luxemburgische Ministerpräsident nicht konkret äußern. Niemand dürfe allerdings denken, dass 50 bis 60 Prozent genügen würden. "Wir reden über mehr", sagte Juncker. Für den Umgang mit einer Krise solchen Ausmaßes gebe es keine historische Erfahrungen.
Juncker übte Selbstkritik in Bezug auf das Krisenmanagement der Euro-Staaten. Die politische Führung in der Krise sei nicht optimal gewesen. "Wir waren nicht schnell genug." Die Finanzmärkte könnten rascher reagieren. Juncker forderte eine bessere Abstimmung in der Finanz- und Haushaltspolitik.
Der Luxemburger nimmt damit exakt die Position Deutschlands ein. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) änderte ihre Haltung in der Frage eines Schuldenschnitts und drängt ihre EU-Partner zu einem umfangreichen Schritt dieser Art. "Wir setzen uns dafür ein", hatte es in Regierungskreisen am Sonntag geheißen kurz vor einem Treffen Merkels mit Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy in Paris. Offiziell wird das nicht bestätigt. Die FTD hat allerdings sichere Informationen, dass Merkel ihre Zurückhaltung aufgegeben hat.