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Merken   Drucken   06.06.2012, 09:12 Schriftgröße: AAA

Rettungsschirm oder nicht?: Spanien ist von falschem Stolz geblendet

Premier Mariano Rajoy geht es nur noch um Gesichtswahrung. Denn vor den Wahlen hat er versprochen, dass Spanien keine Rettungsmilliarden braucht. Das jetzt durchzuziehen ist Kamikazepolitik.
© Bild: 2010 reuters
Leitartikel Premier Mariano Rajoy geht es nur noch um Gesichtswahrung. Denn vor den Wahlen hat er versprochen, dass Spanien keine Rettungsmilliarden braucht. Das jetzt durchzuziehen ist Kamikazepolitik.

Seit Monaten weigert sich die spanische Regierung, den Rettungsfonds in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig schreit sie immer lauter nach Hilfe. Sie glaubt offenbar immer noch, dass ihr in höchster Not unter Umgehung der geltenden Regeln aus der Krise geholfen wird. Ja werden muss, wenn der gesamte Euro -Raum weiter in die Tiefe stürzt. Das ist schlicht und einfach Kamikazepolitik.

Natürlich wäre es besser, es gäbe einen europäischen Bankenfonds, der sich um Problemfälle kümmern würde. Dann könnte Madrids Regierungschef Mariano Rajoy sein leichtfertiges Wahlversprechen, Spanien werde ohne fremde Milliarden auskommen und keine Sparkommissare ins Land lassen, gesichtswahrender brechen. Aber Spanien braucht das Geld jetzt. Und gerade weil es nicht um astronomische Summen geht, wie Finanzminister Cristóbal Montoro richtig erkannt hat, sollte Spanien das vorhandene Rettungssystem endlich nutzen.

Montoro hat Angst vor den "Herren in den schwarzen Anzügen", die dann sein Land kontrollieren. Diese überzogene Furcht hat damit zu tun, dass die Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF von der Bundesregierung ebenso gern zum Popanz aufgebauscht wird wie von der griechischen Syriza-Partei. Rajoy glaubt offenbar, dass es mit seiner persönlichen Ehre und der des Landes nicht vereinbar ist, ein Hilfsprogramm zu unterschreiben, in dem auch Bedingungen stehen. Das ist falscher Stolz oder ökonomische Dummheit oder beides, jedenfalls keine verantwortliche Politik.

Viele EU-Regierungen und auch die EU-Kommission wären für direkte Hilfen an die notleidenden Banken. Die Rettungsschirme EFSF und ESM wären dann plötzlich Großbanken, schließlich würden ihnen die spanischen Institute gehören. Der ESM könnte ja per Beschluss der Eigner seine Regeln schnell ändern, meinen Befürworter. Aber erstens würde der Bundestag sich verweigern. Und zweitens käme diese Lösung vermutlich auch zu spät.

Denn um die Märkte zu beruhigen, wäre es wichtig, dass Spanien seinen Antrag vor der Wahl in Griechenland stellt. Dann könnte die Euro-Gruppe unverzüglich EFSF-Hilfen zusagen: mit dem Versprechen, dass die Bedingungen für die Hilfe - und damit die Kontrollen - auf den Finanzsektor beschränkt werden und Spanien ansonsten dabei unterstützt wird, sich weiter am Markt zu refinanzieren.

  • Aus der FTD vom 06.06.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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Kommentare
  • 06.06.2012 11:33:07 Uhr   John Doe: @Oliver Pasch

    Stichworte:
    Jugendarbeitslosigkeit
    Strukturreformen

    Wer hat Ihnen denn bloß diese Sau zu getrieben, Strukturreformen! Da Sie es unterlassen haben uns zu beschreiben, welche Art von Sau es denn sein soll, bitte ich Sie dieses Allheilmittel aus dem Washington Consensus (1991) genau zu erläutern.

    Was meinen Sie damit und was sollen die "Strukturreformen" bewirken. Welcher verifizierbare und falsifizierbare Wirkungszusammenhang besteht zwischen beiden Elementen?

    Welchen Zusammenhang sehen Sie zwischen der Geburtenrate und der Arbeitslosigkeit? Würde die Strukturreform "Poppprämie" in Ihren Werkzeugkoffer passen?

  • 06.06.2012 11:14:27 Uhr   flippah: Spanien wurde von der EU verraten
  • 06.06.2012 11:10:43 Uhr   Strichnid: Demokratie?
  • 06.06.2012 11:03:20 Uhr   wsh: fakten
  • 06.06.2012 09:36:39 Uhr   Andreas M: Nationalstolz in D
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