Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte am späten Freitagabend die Kreditwürdigkeit von neun Staaten der Euro-Zone. In einem Rundumschlag stufte sie unter anderem Frankreich, Österreich, Italien, Portugal und Spanien herab. Auch Malta, Slowenien und die Slowakei wurden um eine Stufe herabgesetzt. Portugal landet sogar auf Ramschstatus. Mit einem negativen Ausblick wie für viele andere Länder droht Frankreich eine weitere Herabstufung. Deutschland behält sein Top-Rating und einen stabilen Ausblick.
"Die Ratingagenturen sollten ihre Macht mit Vorsicht gebrauchen, um zu vermeiden, dass sie zu einem unheilvollen Verstärker der anhaltenden Staatschuldenkrise in Europa werden", hieß es in dem chinesischen Kommentar. Ratingagenturen sollten objektiv und professionell bei der Analyse der Marktsituation vorgehen. Xinhua, die häufig die Meinung der Regierung wiedergibt, verwies auf die Fehler der Ratingagenturen in der Finanzkrise 2008 und forderte Investoren auf, ihre Abhängigkeit von den Agenturen zu verringern.
China besitzt mit etwa 3200 Mrd. Dollar die weltweit größten Devisenreserven, die bislang vor allem in den Kauf von Staatsanleihen der USA und vieler Euro-Länder gesteckt wurden. Nicht zuletzt wegen der Schuldenkrise hält die Volksrepublik aber zunehmend nach anderen Anlagemöglichkeiten Ausschau.
Auch in Japan wird der Schritt der Ratingagentur mit Sorge beobachtet. Allerdings haben die Japaner andere Probleme als die Chinesen. Ministerpräsident Yoshihiko Noda fürchtet, dass sein Land nach der Herabstufung Frankreichs durch die Ratingagentur S&P in den Fokus rückt. Europas Schuldenkrise sei nicht nur auf der anderen Seite eine Katastrophe, sagte Noda in einem Fernsehinterview mit "TV Tokyo" am Samstag.