Die EU ist in einer misslichen Lage. Einerseits wollen die meisten Regierungschefs die Reisefreiheit innerhalb des aus 22 Staaten bestehenden Schengenraums erhalten. Andererseits haben vor allem Italien und Frankreich in den vergangenen Wochen eine Diskussion um die Wiedereinführung von Grenzkontrollen innerhalb Europas ins Rollen gebracht.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso
Durch den Flüchtlingszustrom aus Krisenregionen wie Libyen und Tunesien sehen die Länder ihre innere Sicherheit gefährdet, Frankreich hatte zeitweise schon wieder begonnen, an den Grenzen zu kontrollieren. Zu Beginn des EU-Gipfels pries Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Reisefreiheit und sagte, dass sie nicht durch die Befindlichkeiten einzelner Länder infrage gestellt werden dürfe.
Die Schlussfolgerungen des Gipfels sehen jetzt einen Mechanismus vor, der Ausnahmesituationen regeln soll, in denen Länder die Reisefreiheit innerhalb des Schengen-Abkommens durch Grenzkontrollen beschränken dürfen. Einen solchen Mechanismus gibt es zwar bereits. Die Formulierungen sollen künftig nach dem Willen der EU-Politiker jedoch konkreter werden.
Demnach könnte es dann möglich sein, Europas Grenzen für einen begrenzten Zeitraum nach innen dicht zu machen, wenn ein Land nicht mehr dazu in der Lage ist, die Einreise aus Drittstaaten so zu steuern, wie es die Schengen-Regeln vorsehen, und den Mitgliedsstaaten erhebliche Nachteile daraus entstehen. "Das wird aber nicht die Menschen betreffen, die ein Recht auf Reisefreiheit haben", sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso zum Abschluss des Gipfels.
Die EU-Kommission soll bis September Vorschläge für einem solchen Mechanismus vorlegen. Ein Hauptstreitpunkt zwischen der Kommission und den Staaten ist die Frage, ob die Brüsseler Behörde oder die nationalen Regierungen im Ernstfall die Einführung von Grenzkontrollen verfügen dürfen.