Wirtschaftsnobelpreisträger Krugman glaubt, dass die Zentralbank italienische Staatsanleihen kaufen muss - und zwar in Massen. Weltbank-Präsident Zoellick warnt vor weiterem "Durchwursteln". Und die FDP spekuliert über ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone.
In der FDP wird offen über eine Verkleinerung der Euro-Zone diskutiert. "Wir brauchen einen neuen Stabilitätspakt für Europa mit harten Kriterien und Auflagen", sagte Fraktionschef Rainer Brüderle dem FTD-Schwestermagazin Capital. "Wer die nicht erfüllt, muss sich über die Konsequenzen im Klaren sein. Das kann dann auch heißen, dass am Ende nicht mehr alle mit dabei sind."
Die FDP positioniert sich damit anders als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die sich für einen Erhalt des Währungsraums ohne Wenn und Aber stark macht. Allerdings hatte sie ebenso wie der französische Präsident Nicolas Sarkozy kürzlich erstmals öffentlich die Möglichkeit eines Euro-Austritts besonders verschuldeter Länder ins Gespräch gebracht und dabei Griechenland als Kandidaten bezeichnet.
Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman forderte die Europäische Zentralbank (EZB) auf, Italien mittels umfassenden Kaufs römischer Staatsanleihen zu stützen. "Am Ende wird die EZB in den Abgrund blicken und sagen: Vergessen wir alle Regeln, wir müssen die Anleihen kaufen", sagte
er dem "Handelsblatt". Der Preis eines Auseinanderbrechens der Euro-Zone sei zu hoch. Deshalb müsse die Zentralbank unter ihrem italienischen Präsidenten Mario Draghi klar machen: "Wir kaufen so viel, wie eben nötig ist." Die inflationären Gefahren einer solchen Politik seien beherrschbar, er glaube nicht an drastische Inflation: "Wir stehen nicht vor dem deutschen
Hyperinflationsjahr 1923."
Zu dann höchtswahrscheinlichen deutlichen Verstößen der Maastricht-Regeln als Folge eines solchen Handelns sagte Krugman: "In Extremlagen bricht man eben die Regeln." Schließlich müsse der Worst Case verhindert werden. Dies wäre ein Ausstieg Italiens aus dem Euro, ein Bank-Run in dem Land sowie eine Ansteckung Spaniens. Wahrscheinlich falle dann auch Frankreich - der Euro würde "zu einer erweiterten Deutschen Mark mutieren".
Nobelpreisträger Paul Krugman
Wirtschaftsminister Phillip Rösler (FDP) wies das Ansinnen zurück. Er warnte davor, der EZB die zentrale Rolle bei der Bewältigung der Schuldenkrise zu geben. Kurzfristig zeigten Anleihekäufe die gewünschte Wirkung, sagte der Vizekanzler. "Damit würde aber der Anreiz für eine dauerhafte Stabilität und Reformen in der Euro-Zone verloren gehen." Italien habe im Sommer gezeigt, dass die Bereitschaft zur Modernisierung des Staates sinke, wenn die EZB mit Bond-Erwerbungen Renditen und Risikoaufschläge für Staatsanleihen drücke. "Falls die EZB ihre Schleusen öffnen würde, könnten wir diese nie wieder schließen."
Die EZB kauft am Sekundärmarkt - also nicht direkt von den Ländern - Anleihen der Staaten in finanzieller Not, um die Zinsen zu dämpfen. Für italienische Anleihen stieg die Rendite für Langläufer jüngst auf 7,5 Prozent. Zu diesem Preis ist es so gut wie unmöglich, neue Bonds an den Mann zu bringen und gleichzeitig die Zinslast eines Staates in einem gesunden Maß zu halten. Das Vorgehen ist auch innerhalb der Zentralbank umstritten.
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