Bislang lehnt Berlusconi einen Rücktritt strikt ab. Allerdings forderte schon am Mittag der Chef seines Koalitionspartners Lega Nord, Umberto Bossi, den Ministerpräsidenten auf, sein Amt zur Verfügung zu stellen. "Berlusconi möge einen Schritt zur Seite machen und Alfano zum Regierungschef ernennen", sagte Bossi. Angelino Alfano ist Parteichef der Berlusconi-Partei Volk der Freiheit.
Berlusconi hatte sich vor der Abstimmung mit PdL-Wackelkandidaten getroffen, die ihm mehr oder weniger offiziell die Treue aufgekündigt haben. Ende voriger Woche hatten zwei PdL-Abgeordnete Berlusconi den Rücken gekehrt und waren zur oppositionellen Zentrumspartei gewechselt.
"Wir haben mit Befriedigung zur Kenntnis genommen - nicht zuletzt aus Erklärungen der Opposition -, dass das Abgeordnetenhaus den Rechenschaftsbericht absegnen wird", hieß es in einem Statement von fünf abtrünnigen Parlamentariern Berlusconis. Dennoch sei "eine neue Übergangsregierung auf möglichst breiter parlamentarischer Basis notwendig, um die dramatische Wirtschaftslage Italiens anzugehen". Dies möge Berlusconi jetzt ermöglichen.
Der Medienunternehmer hatte sich Presseberichten zufolge noch in der Nacht erneut mit seinen Vertrauten Gianni Letta und Alfano getroffen. Letta gilt als möglicher Nachfolger. Ergebnis dieser Krisensitzung sei, dass Berlusconi nach der Abstimmung am Nachmittag zunächst die Vertreter seines Koalitionspartners Lega Nord treffen wolle und danach die Spitzen der PdL. Gemeinsam werde man über die Strategie entscheiden, hieß es in den Berichten.