Der britische Premierminister David Cameron spürt die schwindende Bedeutung seines Landes in Europa. Wenn in Brüssel über die Zukunft des Euro verhandelt wird, sitzt der Regierungschef der drittgrößten Volkswirtschaft der EU nicht mit am Tisch. Auch am Mittwoch war für Cameron nach zwei Stunden Schluss. Er konnte schon froh sein, dass ihm Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy nicht wieder wie am Sonntag anfuhr, doch besser die Klappe zu halten.
Cameron muss dem Treiben ohnmächtig zuschauen, obwohl die Entscheidungen der Euro-Länder Auswirkungen auf sein Land und den Finanzplatz London haben. Am Freitag beschwerte sich der Premier, dass die City of London unter "Dauerbeschuss" Brüsseler Bürokraten stehe. Und er werde sich gegen eine stärkere Integration der 17 Euro-Länder zur Wehr setzen, um Schaden vom Finanzzentrum der Hauptstadt abzuwenden, sagte er auf einem Flug nach Australien zu einem Treffen der Commonwealth-Länder.
Die Äußerungen zeigen, dass die britische Regierung in Alarmstimmung ist. Mit neun anderen Ländern sitzt sie in der zweiten Klasse, während in der ersten Klasse die Entscheidungen getroffen werden. Die Zeiten als die frühere Premierministerin Margaret Thatcher mit ihrer Unnachgiebigkeit die EU in Atem hielt, sind lange vorbei. Ihr Nachfolger kann nur noch hilflose Appelle an Deutschland und Frankreich richten. Doch die müssen sich nicht lange mit dem nörgelnden Zwischenrufer beschäftigen.
In seiner Verzweiflung sucht Cameron den Schulterschluss mit den anderen Nicht-Euro-Staaten. Er rief sie zum Zusammenhalt auf, damit die Rettung des Euro nicht zu ihren Ungunsten ausfällt. "Wir als die 27 müssen dafür sorgen, dass der einheitliche Markt funktioniert", sagte Cameron. Es sei wichtig, "dass die Institutionen der 27 Länder funktionsfähig bleiben und dass die Kommission ihre Aufgabe als Wächterin der 27 erfüllt".
Teil 2: Unterschiedliche Interessen