Die Diplomatie macht gerade Pause in der Debatte um ein zweites Hilfspaket für das vom Bankrott bedrohte Griechenland. Zumindest auf rhetorischer Ebene geht es seit einigen Tagen hoch her zwischen Athen und den Euro-Partnern. Vor allem Deutschland wird in Griechenland zum Buhmann - längst nicht mehr nur für die Demonstranten.
Jüngster Stein des Anstoßes ist Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der die Zuverlässigkeit der griechischen Sparzusagen bezweifelte und eine Verschiebung der im April geplanten Parlamentswahl empfahl. "Ich kann nicht hinnehmen, dass Herr Schäuble mein Land beleidigt", polterte Staatspräsident Papoulias. "Wer ist Herr Schäuble, dass er Griechenland kränkt? Wer sind die Niederländer? Wer sind die Finnen?", fragte er sichtlich erregt.
Beide Länder gelten als Verbündete der Bundesregierung in der Debatte um weitere Finanzspritzen für das hochverschuldete Land. Schäuble forderte Garantien, dass sich auch eine neugewählte Regierung in Athen an die Sparzusagen hält. "Denn das ist eine ganz unerlässliche Bedingung", sagte er in einem Interview des SWR. Dahinter steckt die Befürchtung, dass das Wahlergebnis radikale Kräfte von rechts und links stärkt. Sie lehnen die Sparpolitik der jetzigen Regierung ab.
Schäubles niederländischer Kollege Jan Kees de Jager sprach sich dafür aus, das zweite Rettungspaket zu verschieben. Es sei vorgeschlagen worden, "bis nach der Wahl zu warten, weil man dann die Verpflichtungen mit der neuen Regierung ausmachen kann", sagte er. Allerdings braucht Griechenland schon im März frisches Geld, sonst droht der Zahlungsausfall.
In Athen wurde der Vorschlag Schäubles als Bevormundung empfunden. "Es hilft nicht, es hilft uns Griechen nicht, wenn Herr Schäuble uns sagt, was für eine Regierung wir haben sollen. Es hilft wirklich nicht unter Partnern", sagte die frühere Außenministerin Dora Bayokannis im Deutschlandfunk. Die Chefin einer kleinen liberalen Gruppe im Parlament unterstützt den Sparkurs der Regierung von Ministerpräsident Lucas Papademos. Ratschläge aus Deutschland und anderen Euro-Ländern hält sie für kontraproduktiv. Aussagen, die Griechenland beleidigten, "die helfen nur den Kommunisten und den Ultrarechten und bestimmt nicht uns".
Teil 2: "Wir strengen uns sehr an"