Dabei hatte es am Donnerstag noch ganz gut ausgesehen: Spanien und Italien liehen sich kurzfristig Geld zu deutlich geringerem Zins als zuvor und senkten so die Kosten für ihre Schuldenaufnahme. Vieles schien darauf hinzudeuten, dass die Banken die EZB-Geldspritze über knapp 500 Mrd. Euro vom Dezember dort anlegen, wo es sich Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy am meisten gewünscht hatte: In Staatspapieren der größten Krisenländer - Entspannung war eigentlich programmiert. Vermutlich werden die Anfang nächster Woche veröffentlichten EZB-Liquditätszahlen diesen sogenannten "Sarkozy-Handel" sogar bestätigen.
Doch dann wird es bereits zu spät sein. Die kurze Atempause an den europäischen Finanzmärkten war am Freitag schon wieder vorbei. Bereits die Reaktion der Anleger auf die Gerüchte zur Herabstufung Frankreichs und Österreichs zeigt, wie nervös die Anleger ins Jahr gestartet sind. Jeder kleinste Hoffnungsfunken kann innerhalb weniger Stunden komplett verschwinden.
Dabei konnte die Herabstufung Frankreichs und Österreichs auf S&Ps zweitbeste Bonitätsnote, "AA", wahrlich niemanden überraschen. Seit Anfang Dezember hatten die Anleger Zeit, sich darauf vorzubereiten - damals hatte S&P fast alle Euro-Länder auf die Beobachtungsliste für eine unmittelbar folgende Herabstufung gesetzt, die nun zum Großteil auch erfolgte. Auch wurden Staatsanleihen aus Frankreich schon seit Wochen nicht mehr wie Papiere gehandelt, die eine Topnote aufweisen.
Dies gilt auch für den Rettungsfonds EFSF, dessen Anleihen am Markt schon lange nicht mehr gut ankamen. Daher sind Befürchtungen über eine nun vermutlich folgende Herabstufung des Fonds übertrieben: Auch mit einem "AA"-Rating kann die EFSF noch genügend Geld für die Rettung Irlands und Portugals einsammeln bis der endgültige Mechanismus eingeführt ist. Gut möglich also, dass die Märkte nächste Woche den anfänglichen Schock schnell verdauen werden.
Doch von Entspannung bleibt auch dann nicht mehr viel übrig. Noch immer liegen die langfristigen Zinsen Italiens und Spaniens auf einem Niveau, dass die Länder auf Sicht mehrerer Jahre nicht verkraften können - trotz Sparpaketen und Milliardenspritzen der EZB an die Banken. Ein Punkt, den auch die S&P-Analysten als Begründung für ihre Entscheidung anführen: Das Risiko ist hoch, dass die Krise sich jederzeit verschärfen kann.