FTD.de » Politik » Europa » Der Schwächste fliegt aus Euroland

Merken   Drucken   02.11.2011, 07:35 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Der Schwächste fliegt aus Euroland

Kanzlerin Merkel und Präsident Sarkozy machen dem griechischen Ministerpräsidenten klar, dass sein Land die Währungsunion verlassen muss, wenn er das Referendum verliert. Die Botschaft: Wer zu schwach ist, hat keinen Platz mehr im Klub der Euro-Staaten.
© Bild: 2011 Reuters/YVES HERMAN
Kanzlerin Merkel und Präsident Sarkozy machen dem griechischen Ministerpräsidenten klar, dass sein Land die Währungsunion verlassen muss, wenn er das Referendum verliert. Die Botschaft: Wer zu schwach ist, hat keinen Platz mehr im Klub der Euro-Staaten. von Leo Klimm 
Als Giorgios Papanderou um kurz vor Mitternacht das Kongesszentrum von Cannes verlässt, hat er die Lektion kapiert: "Die Frage ist, ob wir in der Euro-Zone bleiben wollen", sagt der griechische Regierungschef sichtlich abgekämpft nach dem Gespräch, zu dem ihn Nicolas Sarkozy und Angela Merkel am Mittwochabend an die Côte d'Azur zitiert haben. Wenige Stunden zuvor hatten die Griechen noch verbreitet, es gehe bei der Volksbefragung allein um die Annahme des Brüsseler Rettungsplans vom 27. Oktober.
Soll Griechenland die ausstehenden 8 Mrd. Euro erhalten?

 

Soll Griechenland die ausstehenden 8 Mrd. Euro erhalten?

Zum Ergebnis Alle Umfragen

Mit dem Referendum - das Papandreou zur Überraschung seiner europäischen Partner über den Rettungsplan abhalten will -, entscheiden die Griechen also über ihre Zukunft in Europa insgesamt. Das ist es, was die Kanzlerin und ihr französischer Mitstreiter dem griechischen Premier beim Abendessen eingeschärft haben - "in einem freundschaftichen, aber ernsten Gespräch", wie Merkel sagt. Entweder die Griechen setzen den Rettungsplan mit all seinen Auflagen um, so die Botschaft. Oder sie müssen die Euro-Zone verlassen. Es geht nicht mehr darum, Griechenland um jeden Preis im Euro zu halten. "Den Euro als stabile Währung zu erhalten, ist die primäre Aufgabe, der wir uns verpflichtet fühlen", sagt Merkel kühl. Mit anderen Worten: Der Schwächste fliegt.
Schon zu Beginn des Dinners in dem französischen Badeort der Reichen und Schönen ist die Stimmung eisig. Neben Merkel und Sarkozy sind andere Spitzenpolitiker wie EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Christine Lagarde dabei, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF). Doch die Tischordnung ist so arrangiert, dass Merkel und Sarkozy nebeneinander sitzen - und Papandreou ihnen direkt gegenüber. Rund zwei Stunden, länger als geplant, nehmen sie den Griechen in den Schwitzkasten.
Danach tritt erst das deutsche-französische Euro-Retterduo vor die wartende Weltpresse. Merkel und Sarkozy verkünden, dass die nächste Hilfszahlung von 8 Mrd. Euro von IWF und EU an Griechenland gestoppt ist, bis das Land alle Auflagen des Brüsseler Plans vom 27. Oktober umgesetzt und im Referendum akzeptiert hat. Damit zwingen sie Papandreou, die Volksbefragung auf den 4. oder 5. Dezember vorzuziehen. Denn ohne frisches Geld geht Griechenland kurz vor Weihnachten pleite. Sarkozy und Merkel verkürzen so auch die Zeit der Unsicherheit über das hellenische Schicksal, die den Märkten massiv zusetzt.

Teil 2: "Wir wollen, dass sie im Euro bleiben"

  • FTD.de, 02.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Den Parameter für die jeweilige Rubrik anpassen: @videoList
  • Massaker in Syrien: Russen, bewegt euch endlich

    Russland stand bisher fest an der Seite des Assad-Regimes. Ob mit Waffen oder mit politischer Rückendeckung, Syrien konnte auf die Russen zählen. Das sollte Moskau schleunigst ändern. mehr

  •  
  • blättern
Tweets von FTD.de Politik-News

Weitere Tweets von FTD.de

  26.05. Der Test zu Pfingsten Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Wann gilt ein bundesweites Tanzverbot? Existiert ein offizieller Vatertag? In Deutschland gibt es viele gesetzliche und kirchliche Feiertage: Was wissen Sie darüber?

An welchem Feiertag gilt ein gesetzliches Tanzverbot in Deutschland?

Der Test zu Pfingsten: Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Alle Tests

FTD-Wirtschaftswunder Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

Newsletter:   Newsletter: Eilmeldungen Politik

Ob Regierungsauflösung oder Umfragehoch für die Linkspartei - erfahren Sie wichtige Politik-Nachrichten, sobald sie uns erreichen.

Beispiel   |   Datenschutz
 



DEUTSCHLAND

mehr Deutschland

EUROPA

mehr Europa

INTERNATIONAL

mehr International

KONJUNKTUR

mehr Konjunktur

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote