Mit dem Referendum - das Papandreou zur Überraschung seiner europäischen Partner über den Rettungsplan abhalten will -, entscheiden die Griechen also über ihre Zukunft in Europa insgesamt. Das ist es, was die Kanzlerin und ihr französischer Mitstreiter dem griechischen Premier beim Abendessen eingeschärft haben - "in einem freundschaftichen, aber ernsten Gespräch", wie Merkel sagt. Entweder die Griechen setzen den Rettungsplan mit all seinen Auflagen um, so die Botschaft. Oder sie müssen die Euro-Zone verlassen. Es geht nicht mehr darum, Griechenland um jeden Preis im Euro zu halten. "Den Euro als stabile Währung zu erhalten, ist die primäre Aufgabe, der wir uns verpflichtet fühlen", sagt Merkel kühl. Mit anderen Worten: Der Schwächste fliegt.
Schon zu Beginn des Dinners in dem französischen Badeort der Reichen und Schönen ist die Stimmung eisig. Neben Merkel und Sarkozy sind andere Spitzenpolitiker wie EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Christine Lagarde dabei, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF). Doch die Tischordnung ist so arrangiert, dass Merkel und Sarkozy nebeneinander sitzen - und Papandreou ihnen direkt gegenüber. Rund zwei Stunden, länger als geplant, nehmen sie den Griechen in den Schwitzkasten.
Danach tritt erst das deutsche-französische Euro-Retterduo vor die wartende Weltpresse. Merkel und Sarkozy verkünden, dass die nächste Hilfszahlung von 8 Mrd. Euro von IWF und EU an Griechenland gestoppt ist, bis das Land alle Auflagen des Brüsseler Plans vom 27. Oktober umgesetzt und im Referendum akzeptiert hat. Damit zwingen sie Papandreou, die Volksbefragung auf den 4. oder 5. Dezember vorzuziehen. Denn ohne frisches Geld geht Griechenland kurz vor Weihnachten pleite. Sarkozy und Merkel verkürzen so auch die Zeit der Unsicherheit über das hellenische Schicksal, die den Märkten massiv zusetzt.