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Merken   Drucken   26.11.2010, 08:58 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise des alten Kontinents: Europäer drängen Portugal unter den Rettungsschirm

Nach Informationen der FTD wird Portugal zu einem Antrag auf Finanzhilfen genötigt. Auf diese Weise will die EZB eine Pleite Spaniens verhindern. Lissabon scheut jedoch die Rolle eines Bauernopfers.
Die Europäische Zentralbank (EZB) und eine Mehrheit der Euro-Länder dringen nach Informationen der FTD darauf, dass auch Portugal wie Irland einen Antrag auf Hilfen stellt. Portugals Banken gelten zwar nicht als überschuldet wie die irischen, sind aber derzeit für ihre Geschäfte offenbar ebenfalls auf Geld der EZB angewiesen.
Axel Weber   Axel Weber
Indem sie die Regierung in Lissabon unter Druck setzen, wollen die Europäer Spanien vor einer Rettungsaktion bewahren: "Wenn Portugal den Schirm nutzen würde, wäre das für Spanien gut, weil das Land in Portugal stark engagiert ist", hieß es im Bundesfinanzministerium.
Die portugiesische Regierung stemmt sich aber bislang dagegen, einen Hilfsantrag zu stellen. Das Parlament in Lissabon stimmt am Freitag über einen Sparhaushalt für 2011 ab, mit dem das Haushaltsdefizit im nächsten Jahr auf 4,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts vermindert werden soll. Für dieses Jahr erwartet die Regierung eine Neuverschuldung von 7,3 Prozent.
Angesichts der Sorgen um Portugal und Spanien hatte Bundesbankpräsident Axel Weber  die Möglichkeit einer Aufstockung der EU-Rettungsschirme ins Gespräch gebracht. Falls auch Spanien auf Hilfe angewiesen sei, könnten im schlimmsten Fall 145 Mrd. Euro zusätzlich nötig sein, sagte er am Donnerstag. Bislag umfasst der Rettungsschirm 750 Mrd. Euro. Die EU sagte insgesamt 500 Mrd., der Internationale Währungsfonds (IWF) 250 Mrd. Euro zu. Zuzüglich der Staatsanleihenkäufe der EZB beläuft sich die Unterstützung nach Darstellung Webers auf 925 Mrd. Euro, im schlimmsten Fall wären aber 1070 Mrd. nötig.
In Berlin kursierten Informationen, wonach in den europäischen Staaten eine Verdopplung des EU-Anteils von 500 Mrd. Euro erwogen wird. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wandte sich am Freitagmorgen jedoch entschieden gegen eine Aufstockung des Rettungsschirms. "Ich halte von den Forderungen gar nichts", sagte er dem Radiosender Bayern2.
Der Euro fiel nach einer leichten Erholung am Donnerstag am Freitagmorgen erneut unter die Marke von 1,33 Dolllar. Mit 1,3265 Dollar erreichte er zeitweise den tiefsten Stand seit dem 22. September.

Teil 2: Deutschland und Frankreich arbeiten an "wetterfestem Regelwerk"

  • FTD.de, 26.11.2010
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