Die Börse in Mailand
Zahlreiche Investoren haben in den vergangenen Wochen ihr Geld aus Italien abgezogen. An der Mailänder Börse fiel der Leitindex
FTSE/MIB seit Jahresbeginn um rund 20 Prozent.
Auch italienische Staatsanleihen fielen einer Verkaufswelle zum Opfer. Die Renditen, die sich gegenläufig zu den Kursen bewegen, erreichten bei Zehnjahrespapieren am Mittwoch zeitweise 6,26 Prozent. Das ist der höchste Stand seit 1997. Die Risikoprämie, die Anleger dafür verlangen, dass sie italienische anstelle sicherer deutscher Staatsanleihen halten, erreichte am Dienstag mit 3,7 Prozentpunkten ebenfalls einen Euro-Rekord.
Die Renditen dienen als Indikator für die Zinslasten, mit denen Italien bei der Emission neuer Staatsanleihen rechnen muss. Griechenland hatte die EU um Hilfe gerufen, nachdem die Renditen zehnjähriger Bonds auf über acht Prozent gestiegen waren.
Nachfrage nach Staatspleiten-Versicherung steigt
Auch die Kosten für die Absicherung italienischer Schuldtitel gegen eine Staatspleite steigen. Die Prämien entsprechender Kreditausfallderivate (CDS) liegen laut dem Finanzdatendienstleister CMA bei 376 Basispunkten. Damit kostete es 376.000 Euro, italienische Staatsanleihen im Wert von 10 Mio. Euro ein Jahr lang gegen einen Zahlungsausfall abzusichern. In den vergangenen drei Wochen sind diese Kosten um rund 100.000 Euro gestiegen - ein klares Zeichen, dass die Nachfrage nach einer Absicherung italienischer Staatsanleihen zunimmt.
Wie groß die Angst vor einem Übergreifen der Schuldenkrise auf Italien ist, wurde am Freitag deutlich: Der Leitindex FTSE-MIB rauschte um 3,5 Prozent in die Tiefe. Das war der stärkste Einbruch seit fast fünf Monaten. Besonders betroffen waren Banktitel, die Aktien von
Unicredit wurden nach einem Absturz um sechs Prozent vorübergehend sogar vom Handel ausgesetzt. Am Montagvormittag gab der FTSE-MiB um weitere 1,4 Prozent nach.