Ein deutsch-französisches Duo bereitet die Gipfel für Kanzlerin und Präsidenten vor. Die Aufgabe der Superbeamten: aus Streit konstruktive Politik zu machen.
von Peter EhrlichBrüssel
Der mit schwarzem Leder bezogene Stuhl, auf dem Ramon Fernandez Platz nimmt, ist so unspektakulär wie die restliche Einrichtung des Besprechungsraums der deutschen Delegation im EU-Ratsgebäude. "Hier hat neulich erst der Präsident gesessen", sagt Jörg Asmussen und meint Fernandez' Chef Nicolas Sarkozy. Dennoch sitzt der 44-jährige Spitzenbeamte des französischen Finanzministeriums mit dem Titel "Generaldirektor des Schatzamts" auf dem Stuhl richtig: Er vertritt im Alltag der Euro-Schuldenkrise Frankreich. Und Finanzstaatssekretär Asmussen, 45, vertritt die Kanzlerin.
Ramon Fernandez
Fernandez und Asmussen sind die Männer hinter "Merkozy", wie die Presse das deutsch-französische Spitzenduo inzwischen nennt. Das heißt, dass sie in erster Linie Vermittler sind. Vermittler zwischen den beiden Regierungen mit ihren oft unterschiedlichen Auffassungen von Stabilitätskultur, Vermittler zwischen höchst unterschiedlichen Chefs, Vermittler aber auch zwischen der deutsch-französischen Achse und dem Rest der Eurozone sowie den EU-Institutionen.
Die beiden haben fast täglich Kontakt miteinander. Im September und Oktober waren sie an sechs Wochenenden hintereinander zusammen auf internationalen Konferenzen. "Wir sehen uns öfter als unsere jeweiligen Frauen", sagt Fernandez im Gespräch mit der FTD und der französischen Wirtschaftszeitung "Les Echos". "Ich war dieses Jahr schon zwölf Mal in Paris", wirft Asmussen ein.
Jörg Asmussen
Denn ohne deutsch-französische Verständigung sind die Krisenlösungen in der Eurozone blockiert. Wenn die gemeinsame Position noch fehlt, verständigen sich Ramon und Jörg zumindest darauf, den Streit zwischen ihren Regierungen nicht öffentlich auszutragen. "Wir achten darauf, uns vor anderen nicht zu widersprechen", sagt Asmussen. "Es ist klar, dass wir oft mit unterschiedlichen Ansichten starten", sagt Fernandez. Das liege auch an unterschiedlichen Einschränkungen, etwa in Deutschland durch das Verfassungsgericht.
Der eigentliche Wert des Duos liegt aber nicht darin, endlos bekannte Positionen zu wiederholen. "Wir versuchen Lösungen zu finden", sagen beide. "Manche Ideen entstehen im Gehen", erzählt Fernandez. Solche Ideen werden dann informell den Ministern Wolfgang Schäuble und Francois Baroin und dem Kanzleramt und Elysée-Palast weitergegeben. "Die Minister sagen uns dann, was geht und was nicht", so Asmussen. Fernandez nennt die Vorschläge "Pilotfische", auf Deutsch würde man von Versuchsballon sprechen. Schon im August haben die beiden über mögliche Hebel für den Rettungsfonds EFSF gesprochen, die dann erst in den folgenden Woche das offizielle Licht der Öffentlichkeit erblickten. So etwas setzt absolutes Vertrauen voraus.
Wenn sie eine Idee weiterverfolgen dürfen, dann präsentieren sie sie zuerst in der "Eurogroup Working Group", der verschworenen Gemeinschaft der Staatssekretäre der 17 Euro-Länder. "Wir sind nicht allein. Wir müssen Lösungen finden, die für die Gruppe akzeptabel sind", sagt Fernandez. Dieser Tage bereiten sie ihre letzten gemeinsamen Gipfel vor, bevor Asmussen im Januar zur Europäischen Zentralbank (EZB) wechselt. Aber Asmussen ist sich sicher: "Wir werden auch in Zukunft zusammenarbeiten. Wir haben noch über 20 Jahre Berufsleben vor uns."
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