Erst haben die Karlsruher Richter die Rechte des Bundestags bei der Euro-Rettung gestärkt. Jetzt nehmen sie den Bundespräsidenten mit einer Bitte in die Pflicht, die er nicht ablehnen kann: seine Unterschrift unter das ESM-Gesetz zu verschieben. Joachim Gauck wird es nicht auf einen Konflikt zweier Verfassungsorgane ankommen lassen. Das wäre auch völlig unnötig. Denn ob der Rettungsschirm ESM, der seinen Vorgänger EFSF ergänzen und danach ablösen soll, ein paar Wochen früher oder später in Kraft tritt, ist nebensächlich. Schließlich verfügt die EFSF über genügend Geld und kann jederzeit angezapft werden.
Ein Problem ist eher, dass die Krisenländer sich trotz ihrer Nöte beharrlich darum drücken, unter den Rettungsschirm zu gehen. Das war schon bei Spanien so, und auch Italien sucht bequemere Wege, um an günstige Milliardenkredite zu kommen. So will Premierminister Mario Monti die Europäische Zentralbank dafür einspannen, im Auftrag des Rettungsfonds italienische Staatsanleihen zu kaufen. Das würde bedeuten, dass die EZB nach dem widerwilligen Direktaufkauf von Staatsanleihen ein weiteres Mal in eine Rolle gezwängt würde, die ihr eigentlich nicht zusteht. Deshalb sollten die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone ihrem Amtskollegen Monti diesen Schleichweg verbauen.
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Schließlich gibt es Rettungsschirme, die unter größten Kraftanstrengungen aufgestellt wurden - und deren Konditionen mit Bedacht gewählt wurden. Wer Geld benötigt, muss deshalb auch die dazugehörenden Bedingungen akzeptieren und darf sich nicht einfach herauswinden. Dass Italien am Kapitalmarkt hohe Zinsen zahlen muss, hängt nicht nur mit seiner Verschuldung zusammen, sondern auch damit, dass die Investoren die äußerst schleppende Umsetzung von Strukturreformen zunehmend mit Unmut quittieren.
Aber Montis Vorstoß zeigt auch: Im Euro-Kreis wächst die Überzeugung, dass man ohne Gemeinschaftshaftung nicht mehr aus der Malaise herauskommt. Neben Griechenland und Spanien bangt inzwischen auch Italien, dass hohe Kreditzinsen gepaart mit einem durch Sparprogramme verstärkten Einbruch des Wirtschaftswachstums das Land hoffnungslos überfordern. Dieser Diskussion wird sich Angela Merkel nicht mehr lange entziehen können.
Vor Einführung des EURO 2001 waren die Volkswirtschaften von D, F, BENELUX und der übrigen “soliden“ Staaten nicht von dem heutigen Horror-Szenario des EURO- Zusammenbruchs geprägt, das sich wegen der in unverantwortlicher Weise vorschnell und ohne ausreichende Prüfung der wahren Verschuldungssituation der PIIGS- Staaten heute ergibt. Dem geringen Vorteil für die BRD im EU- Export, der bekanntlich nur 30% des Gesamtexports ausmacht, stehen gravierende Nachteile bezüglich privaten und geschäftlichen defakto Vermögensverlusten gegenüber.
Notwendig ist statt ESF heute die Neuverhandlung der EU- Verträge, bei der die Fehler und Versäumnisse der aktuellen Verträge beseitigt werden müssen: Klare Konsequenzen bei Nichterfüllung der geforderten Standards und Einführung eines Modells der zwei Geschwindigkeiten, um den EU- Bewerberstaaten Zeit für die eigene Anpassung an die EU- Standards zu geben.
Um diese Neuverhandlung drückt sich die Wetterhex Merkel seit Jahren, da sie kein Rückgrat hat. Sie ist einfach nur machtgeil.