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Merken   Drucken   18.12.2011, 21:09 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Draghi dämpft Hoffnung auf Anleihe-Boom

Die bevorstehende Geldspritze der Währungshüter für die Geschäftsbanken ist laut dem EZB-Präsident kein Grund zur Euphorie. Weitergehende Hilfen lehnt Draghi ab. von Tim Bartz  Frankfurt
Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) warnt davor, allzu große Hoffnungen in die neue Geldspritze zu setzen, die die Währungshüter den Geschäftsbanken geben wollen: Er glaube nicht, dass die Institute mit dem frischen Geld zwingend Anleihen europäischer Staaten kaufen und so deren Notlage verbessern, sagte Mario Draghi der Financial Times in seinem ersten Zeitungsinterview nach dem Wechsel an die EZB-Spitze Anfang November. "Die Banken werden entscheiden, was am besten für sie ist. Eine Erwartung ist, dass sie damit die Realwirtschaft finanzieren, vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen", sagte Draghi mit Blick auf die Kreditvergabe.
EZB-Präsident Mario Draghi   EZB-Präsident Mario Draghi
Mit seiner Aussage dämpft er die Hoffnungen der Optimisten an den Finanzmärkten. Sie setzen darauf, dass die Banken das EZB-Geld ab Mittwoch direkt in Staatsanleihen investieren und so helfen, die Euro-Krise abzuschwächen. Übermorgen stellt die EZB den Banken erstmals für drei Jahre Geld in unbegrenzter Menge und zum Niedrigzins von 1,0 Prozent zur Verfügung. Sie tut das, weil das Misstrauen der Banken untereinander derart groß ist, dass sie sich gegenseitig kaum noch Geld leihen.
Viele Analysten kalkulieren indes damit, dass die Institute das Geld in Staatsanleihen stecken, die weit mehr als 1,0 Prozent Zinsen abwerfen - allen voran die Papiere europäischer Krisenstaaten wie Italien und Spanien. Passiert das, würden die Kurse der Anleihen steigen und deren Renditen sinken. Das wiederum könnte die Aufnahme neuer Schulden billiger machen. Gerade Italien und Spanien haben im neuen Jahr enormen Refinanzierungsbedarf. Draghi dagegen setzt darauf, dass die Institute das Geld an die Unternehmen weiterleiten, um eine drohende Kreditklemme zu verhindern.




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Keine weiteren Hilfen
Weitergehende Hilfen der EZB lehnt Draghi nach wie vor ab. Es sei an den Regierungen, mit Haushaltsdisziplin und Strukturreformen die Märkte zu überzeugen, sagte er. Auch gebe es kein Renditeziel für Anleihen, bei dessen Überschreiten die EZB mit Käufen eingreift. "Geldpolitik kann nicht alles machen." Die EZB hatte erst am 8. Dezember den Leitzins wieder auf den historischen Tiefstand von 1,0 Prozent gesenkt. Zudem lockerte sie die Regeln für Sicherheiten, die Banken als Pfand für die Geldleihe bei ihr hinterlegen müssen, und halbierte die Mindestreserve der Geldhäuser.
  • Aus der FTD vom 19.12.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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