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Merken   Drucken   28.08.2012, 20:12 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Europa kommt zurück

Die europäischen Krisenstaaten machen bei der Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit Fortschritte. Laut DIHK könnten ausgerechnet die Südländer schon im kommenden Jahr das globale Wachstum antreiben.
© Bild: 2012 FTD/Malte Knaack
Exklusiv Die europäischen Krisenstaaten machen bei der Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit Fortschritte. Laut DIHK könnten ausgerechnet die Südländer schon im kommenden Jahr das globale Wachstum antreiben.

Die Euro-Zone ist gelähmt von einer wirtschaftlichen Rezession und der Unsicherheit über die Zukunft ihrer Währung. Im schlimmsten Fall, so die Auguren, zerbricht die Gemeinschaftswährung in Nord- und Süd-Euro - oder in D-Mark und Drachme.

Und wenn es nicht so weit kommt? Dann könnte ausgerechnet die Krisenregion Europa dem weltweiten Wirtschaftswachstum wieder Schub verleihen. Davon jedenfalls geht der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in einer für die FTD erstellten Europa-Auswertung seines Weltkonjunkturberichts aus. Die Bemühungen für mehr Wettbewerbsfähigkeit in der Euro-Zone würden schon 2013 Früchte tragen, heißt es darin. Die Wirtschaftsleistung der Euro-Zone werde sich nach einem Rückgang um 0,2 Prozent 2012 im kommenden Jahr wieder beleben und um 0,7 Prozent zulegen. Die Weltwirtschaft werde 2013 um 3,9 Prozent wachsen - nach 3,3 Prozent in diesem Jahr.

Von der Erholung dürften auch die deutschen Exporteure profitieren. Die EU ist mit einem Anteil von 59 Prozent nach wie vor der wichtigste Absatzmarkt für deutsche Ausfuhren. Eine Belebung der Geschäfte in der Region würden deutsche Unternehmen laut DIHK unmittelbar spüren. Derzeit hemmen in vielen Krisenländern noch Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen den Konsum und Investitionen von Bürgern und Unternehmen. Auch wenn die Reformen langfristig helfen können, diese Länder wieder fit zu machen, leiden sie doch kurzfristig darunter.

Der DIHK rechnet mit einem deutschen Exportwachstum von vier Prozent 2013, wenn die Krise sich nicht verschärft. Neben dem vergleichsweise schwachen Euro  kommt den Unternehmen zugute, dass sie weltweit auf Wachstumsmärkten aktiv sind. 2012 könne die deutsche Wirtschaft ihren Anteil von 8,1 Prozent am globalen Handel halten. 2013 kann Deutschland den Erwartungen des DIHK zufolge seinen Anteil am Welthandel sogar noch ausbauen. Besonders durch die Belebung der europäischen Wirtschaft würden die deutschen Exporte um sechs Prozent zunehmen, in Ländern der EU immerhin um fünf Prozent.

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Noch immer ist es vor allem der Bankensektor in den Krisenstaaten, der den deutschen Unternehmen Sorgen bereitet. Gerade die Exportwirtschaft leide darunter, dass potenzielle Abnehmer in anderen Ländern der Euro-Zone von Banken infolge der Krise keine Kredite erhielten, heißt es in dem Bericht.

Die Finanzierungsprobleme betreffen dem Bericht zufolge vor allem südliche europäische Länder. Sie sind demnach traditionell besonders auf Bankkredite angewiesen, weil sie anders als in den USA oder Großbritannien weniger auf Finanzierung über den Kapitalmarkt setzten.

In Griechenland stünden den Unternehmen derzeit praktisch keine Finanzierungsmöglichkeiten mehr offen. Notwendige Investitionen seien dort kaum möglich, Geschäfte für deutsche Lieferanten schwierig. In Spanien hätten die Institute vor allem mit der geplatzten Immobilienblase zu kämpfen. Unsichere Staatsanleihenfinanzierung und Ausfälle wegen der schwachen Wirtschaftsentwicklung schafften EU-weit zusätzlichen Druck.

Als Stütze für Europa erweist sich dem Handelskammer-Bericht zufolge die robuste wirtschaftliche Lage in Deutschland. Für 18 Staaten in der EU ist Deutschland der wichtigste Absatzmarkt. Im kommenden Jahr werde beim Wert der deutschen Importe die Marke von 1000 Mrd. Euro geknackt. Bei den Exporten wurde die schon 2011 überschritten.

Fantastische Kräfte: Käpt'n Europa ist auf dem besten Weg, ...   Fantastische Kräfte: Käpt'n Europa ist auf dem besten Weg, die Weltwirtschaft anzuschieben

Nach Einschätzung der DIHK-Experten dürften die deutschen Ex- wie Importe in diesem Jahr um vier Prozent wachsen, im kommenden Jahr sogar jeweils um sechs Prozent. Damit wird der Überschuss in der Außenbilanz wieder auf neue Rekordwerte steigen. Im kommenden Jahr wird er den bisherigen Rekordwert von 2007 übertreffen.

Zunehmend stamme der Leistungsbilanzüberschuss, also der Überschuss bei Waren und Dienstleistungen, Deutschlands aus dem Handel mit Staaten außerhalb der EU. Im Handel mit Ländern der Euro-Zone gehe er dagegen zurück - was für diese im Rahmen der Krisenbekämpfung zunächst positiv ist. Für die Krisenländer zeigen sich nämlich die ersten positiven Auswirkungen der Reformbemühungen, sichtbar vor allem bei Exporten und Handelsbilanz. Fast durchgehend wiesen diese Staaten Exportwachstum und sinkende Handelsdefizite auf. Dabei hilft offenbar der deutsche Absatzmarkt, weil er Importe aus den Krisenländern aufsaugt. Nur Schweden habe seine Importe aus der EU in den vergangenen vier Jahren so deutlich gesteigert wie Deutschland.

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  • Aus der FTD vom 29.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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