Ab heute wird in Athen wieder über einen Schuldenschnitt verhandelt. In fünf Tagen müssen sich Politik und Banken einig werden - sonst ist Griechenland insolvent.
von Peter EhrlichBerlin
Die Gefahr einer Pleite Griechenlands wird immer akuter. Am Mittwoch sollen in Athen die zuvor ergebnislos abgebrochenen Verhandlungen mit Banken, Versicherungen und Fonds über einen Schuldenschnitt wieder starten. Hierfür bleiben nur noch fünf Tage Zeit: Gibt es keine Einigung, wollen die Euro-Staaten und der Internationale Währungsfonds (IWF) kein zweites Hilfsprogramm gewähren. Das Land müsste dann Insolvenz anmelden.
Knapp zwei Jahre nach der ersten Solidaritätserklärung der Euro-Staaten droht der Rettungsaktion für Griechenland damit das Scheitern. An den Märkten wird eine Pleite des Landes bereits eingepreist. Für zehnjährige Anleihen werden Zinssätze von über 40 Prozent fällig. Dies ist ein Vielfaches des Satzes, den die beiden anderen von EU-Hilfe abhängigen Länder, Portugal und Irland, zahlen müssen. Athen werde um den Bankrott nicht herumkommen, sagte der Europa-Direktor der Ratingagentur Fitch, Edward Parker: "Es wird passieren. Griechenland ist insolvent und muss deshalb die Pleite anmelden."
Die griechische Regierung will bei den Verhandlungen erreichen, dass die Schulden des Landes bei privaten Anlegern von heute rund 205 Mrd. Euro um 100 Mrd. Euro reduziert werden. Einen entsprechenden Abschlag von 50 Prozent auf ihre Anleihen hatten Banken und Fonds auf Druck der Politik im Herbst auch zugesichert. Weiterhin strittig ist dagegen zwischen dem Bankenverband IIF und Griechenland sowie seinen internationalen Geldgebern vor allem der Zinssatz für die neuen Anleihen, die die Anleger bei der Umschuldung erhalten sollen.
Deutschland und andere Geldgeber dringen auf einen Satz von drei Prozent, was für die Besitzer der Anleihen auf eine Abschreibung auf den Gegenwartswert von rund 80 Prozent hinausläuft. Dieser Schnitt würde den Griechen geringe Zinszahlungen und damit eine Reduzierung ihrer Gesamtverschuldung auf 120 Prozent bis 2020 ermöglichen. Derzeit gelten die Schulden des Landes als nicht tragfähig, was dem IWF weitere Zahlungen verbietet.
Der IIF verlangte zuletzt mindestens fünf Prozent Zinsen. Verhandlungsführer Charles Dallara sagte vor der Wiederaufnahme der Gespräche am Mittwoch, man hoffe auf den guten Willen aller Beteiligten und ein Gefühl für die Dringlichkeit der Sache. Auch Premier Lucas Papademos will sich mit den Bankern treffen. Die Euro-Finanzminister verlangen ein Ergebnis bis Montag. Danach sollen die Details eines zweiten Hilfsprogramms über 130 Mrd. Euro verhandelt werden.
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