Im Dezember 1893 muss der damalige Ministerpräsident Charilaos Trikoupis der Weltöffentlichkeit gestehen: Sein Land ist pleite. Zwischen 1879 und 1891 hatte Athen sechs Staatsanleihen aufgelegt.
Doch das im Ausland geborgte Geld floss in einen aufgeblähten Staatsapparat, Griechenland lebte über seine Verhältnisse. "Das Geld wurde mehrheitlich nicht für Investitionen in die Wirtschaft verwendet, sondern für Staatsausgaben wie das Militär", sagt der Ökonom Michalis Psalidopoulos, Professor an der Universität Athen und der US-amerikanischen Tufts-Universität.
Es gibt viele Parallelen zur heutigen Situation. Jedoch stand damals am Ende der Schuldenspirale der Bankrott, denn die anderen Länder Europas halfen zunächst nicht. "Im Gegensatz zu heute gab es damals nicht die Notwendigkeit, Griechenland zu disziplinieren", sagt die Historikerin Korinna Schönhärl von der Universität Duisburg-Essen. "Da es keine gemeinsame Währung gab, konnte das Land die Stabilität in Europa nicht gefährden."
Nach dem Bankrott 1893 begannen Verhandlungen, die sich lange hinzogen. "Die Gläubiger waren verbittert. Es gab ein fünfjähriges Tauziehen, ob und wie Griechenland mit der Rückzahlung beginnt", sagt Psalidopoulos. Schuld an der zähen Einigung waren Schönhärl zufolge vor allem die Deutschen. In Frankreich und Großbritannien habe die Meinung vorgeherrscht, die Gläubiger müssten hohe Einbußen hinnehmen - schließlich hätten sie um das Risiko gewusst. In diesen beiden Ländern hätten die Gläubiger zugestimmt, nur 30 bis 35 Prozent ihrer Investitionen wiederzubekommen. "Die deutsche Regierung dagegen hatte sich von Lobbyisten beeinflussen lassen, die sich standhaft geweigert hatten, einer so niedrigen Einigung zuzustimmen", sagt Schönhärl.