Die Unternehmen des Landes kommen nur schwer an neue Bankkredite. Die Geldinstitute wollen die Regeln für Darlehen noch einmal erheblich verschärfen. Den Italienern droht ein Teufelskreis.
von André Kühnlenz ,
Wolfgang Proissl
und Stefan SchaafFrankfurt
Italien steuert rapide auf eine Kreditklemme zu. Wie eine Umfrage europäischer Notenbanken ergab, ist es für Unternehmen in der drittgrößten Volkswirtschaft des Euro-Raums erheblich schwieriger geworden, Bankkredite zu erhalten. Die Bedingungen der Kreditvergabe verschlechterten sich deutlich stärker als im Schnitt der Euro-Länder. Zudem wollen die Institute ihre Regeln auch im laufenden Quartal weiter verschärfen.
Damit droht den Italienern ein Teufelskreis: Restriktive Banken könnten die Konjunktur des Landes abwürgen, was die Geldhäuser wiederum noch mehr in Not bringt. So wächst die Gefahr, dass auch Deutschland stärker von der Krise mitgerissen wird - obwohl hier die Finanzinstitute bisher gelassen reagieren.
In ihrer Umfrage ermitteln die Währungshüter einmal pro Vierteljahr, wie sich die Kreditrichtlinien verändert haben. Abgefragt wird der Aufschlag der Banken auf ihre eigene Finanzierungskosten oder die zu hinterlegenden Sicherheiten.
In Italien gibt es bereits seit Anfang 2011 mehr Banken, die ihre Kreditstandards verschärfen, als Geldhäuser, die ihre Bedingungen lockern. Im Schlussquartal des vergangenen Jahres zogen die Institute die Zügel nochmals erheblich an. Die Unternehmenskredite brachen um heftige 22 Mrd. Euro oder 2,3 Prozent ein. In Deutschland hielten sich die widerwilliger und die großzügiger Kredite vergebenden Banken dagegen erneut die Waage.
Notenbanker besorgt
EZB-Chef Mario Draghi
Die Umfrageergebnisse haben Europas Währungshüter alarmiert. Die Gefahr sei, dass sich die Staatsanleihekrise und die Kapitalabflüsse bei Banken gegenseitig hochschaukelten, hieß es am Mitwwoch in Euro-Notenbankkreisen. Grund für die heftige Verschlechterung der Kreditbedingungen seien die steigenden Finanzierungskosten der Banken vor der jüngsten Megakapitalspritze der Europäischen Zentralbank (EZB), sagte Guillaume Menuet, Ökonom bei der Citigroup.
EZB-Chef Mario Draghi hatte sich am Wochenende zuversichtlich gezeigt, dass die Geldspritze über 500 Mrd. Euro für die Banken eine Kreditklemme verhindern werde. Für Ende Februar ist das nächste Geschäft angesetzt. Auf dem Anleihemarkt wirkt die Geldflut bereits: Am Mittwoch begaben die Commerzbank und die italienische Intesa Sanpaolo unbesicherte Anleihen, die bis vor Kurzem noch als kaum absetzbar galten.
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