Bundestagspräsident Lammert widerspricht Kanzlerin Merkel
Der Fiskalpakt für eine straffere Haushaltsdisziplin in der Euro-Zone und einer Reihe weiterer EU-Staaten soll am Montag auf dem EU-Gipfel in Brüssel verabschiedet werden. Ehe er in Kraft tritt, müssen aber die nationalen Parlamente zustimmen - also auch der Bundestag.
Nach Angaben Lammerts gibt es in der Unionsfraktion erhebliche Bedenken gegen die derzeitige Vertragsfassung. Es hapere an Möglichkeiten zur Durchsetzung der Regeln.
Konkret kritisiert der Bundestagspräsident, dass die EU-Kommission als Hüterin der Verträge bei Verstößen gegen nationale Schuldenbremsen nicht vor den Europäischen Gerichtshof (EuGH) ziehen kann. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Donnerstag gesagt, sie halte es für ausreichend, dass andere EU-Staaten gegen Verstöße einzelner Mitglieder klagen könnten. "Ich sehe da, ehrlich gesagt, keinen großen Unterschied", hatte Merkel gesagt.
Lammmert fürchtet "wechselseitige Rücksichtnahme" von Schuldensündern
Lammert dagegen warnte, eine Klagebefugnis allein der EU-Staaten "könnte zu einem System wechselseitiger Rücksichtnahmen führen". In der Vergangenheit waren Frankreich und Deutschland bei Verstößen gegen den EU-Stabilitätspakt Sanktionen entgangen, weil Paris und Berlin die Regierungen der kleineren Länder von einer Lockerung der Regeln überzeugten.