Die Kanzlerin hat sich lange gegen die Möglichkeit eines griechischen Euro-Austritts gesträubt. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), der als erstes Kabinettsmitglied offen davon gesprochen hatte, musste sich dafür scharfe Kritik gefallen lassen - auch von Merkel.
In der griechischen Regierung ist heftiger Streit ausgebrochen. Finanzminister Evangelos Venizelos distanzierte sich überraschend von der geplanten Volksabstimmung. Die griechische Position in der Euro-Zone sei eine "historische Errungenschaft", die nicht von einem Referendum abhängen dürfe, teilte Venizelos nach seiner Rückkehr aus Cannes in Athen mit. Bisher hatte er seinen Chef unterstützt. Papandreou droht damit eine Niederlage bei der Vetrauensfrage am Freitag im Athener Parlament.
Als Reaktion auf das unabgestimmte Agieren des Ministerpräsidenten wollen die Euro-Retter Griechenland vorläufig keine weiteren Milliarden überweisen. Zumindest vor dem Volksentscheid soll Hellas kein frisches Geld bekommen. Falls die Hellenen das vor knapp einer Woche ausgearbeitete Hilfspaket ablehnen, sollen Athen Finanzspritzen generell verweigert werden. Damit wäre das Land pleite.
Es sei nach der Ankündigung Papandreous, einen Volksentscheid abzuhalten, eine eine "völlig neue psychologische Situation" entstanden, sagte die Kanzlerin. "Wir haben noch einmal klar gemacht: das Referendum geht im Kern um nichts anderes als um die Frage, möchte Griechenland im Euro-Raum verbleiben - Ja oder Nein." Entscheide das griechische Volk mit Nein, würden das die anderen Euro-Länder respektieren. Aber auch für den Fall eines Neins seien die Europäer vorbereitet. Papandreou sei mit dem Vorgehen "absolut einverstanden".
"Wir wollen Griechenland helfen und wollen auch, dass es im Euro bleibt", sagte Merkel. Sollten die Hellenen die Auflagen und Forderungen des zweiten Hilfspakets ablehnen, werde dies akzeptiert. "Aber wir werden auch den Euro nicht aufgeben." Sarkozy ergänzte: "Glauben sie wirklich, dass Frau Merkel und ich..., dass wir das aus Spaß an der Freude machen, dass was wir tun?" Merkel gestand: "Das war hart."