Vor seinem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin ließ der italienische Ministerpräsident im Interview eine deutliche Distanz zum Vorgehen Deutschlands und Frankreichs in der Euro-Schuldenkrise erkennen. So sollten sich beide Länder in punkto Haushaltsdisziplin "nicht allzu sehr erheben".
Das Haushaltsdefizit des italienischen Staates sank im dritten Quartal 2011 laut Mitteilung vom Mittwoch auf 2,7 Prozent. Im Vorquartal hatte es noch bei 3,2 Prozent gelegen, im ersten Quartal 2011 sogar bei 7,7 Prozent. Im Jahresschnitt dürfte Italien deshalb auch im vergangenen Jahr gegen den EU-Stabilitätspakt verstoßen haben, der eine Defizitobergrenze von drei Prozent vorschreibt.
Er fordere "von den Italienern schwere Opfer - diese kann ich ihnen aber nur abverlangen, wenn sich dafür konkrete Vorteile abzeichnen", sagte Monti. "Ich kann aber mit meiner Politik keinen Erfolg haben, wenn sich die Politik der EU nicht ändert. Und wenn das nicht geschieht, könnte Italien - das immer ein sehr europafreundliches Land gewesen war - in die Arme von Populisten flüchten."
Zugleich verlangte der Regierungschef eine wichtigere politische Rolle Italiens in der EU. "Die gute Kooperation des französisch-deutschen Tandems ist eine notwendige Voraussetzung für Europas Fortentwicklung. Aber das reicht nicht, schon gar nicht in einem Europa der 27." Den schlimmsten Fehler in den vergangenen zehn Jahren hätten Deutschland und Frankreich begangen, als sie 2003 die Maastricht-Kriterien missachtet hätten.
Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident
Nicolas Sarkozy "würden einen schweren Fehler machen, wenn sie glaubten, sie alleine könnten die EU meistern", sagte Monti. "Europa muss mehrere Zentren haben. Und Italien ist eines von ihnen." Er fügte hinzu: "Wir sind ein starkes, ein stolzes Land, und wir haben eine im Prinzip effektive Wirtschaft." Zugleich lobte Monti Deutschland: Er habe "immer für ein Italien gearbeitet, das so weit als möglich Deutschland ähneln soll". Der italienische Regierungschef: "Ich mag Deutschland sehr. Vor allem wegen seiner größten Errungenschaft, der sozialen Marktwirtschaft."