Griechenland fordert überraschend ein höheres Zugeständnis der Privatwirtschaft. Zugleich entbrennt ein Streit über den ständigen Rettungsschirm der Währungsunion. Standard&Poor's ärgert Belgien - und um Spanien gibt es neue Krisengerüchte.
Im Kampf um den Euro haben sich überraschend neue Fronten aufgetan. Griechenland will die privaten Gläubiger nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters stärker zur Kasse bitten als bislang geplant. Athen fordert Nachlässe von 75 Prozent. Die Banken bestehen auf den vereinbarten 50 Prozent. Reuters berief sich auf mehrere Insider und zitierte einen mit den Worten: "Die Frontlinien sind damit klar gezogen."
Zugleich brach unter den Euro-Staaten Streit über die Beteiligung privater Gläubiger an der Entschuldung von Krisenländern im Rahmen des geplanten permanenten Rettungsfonds ESM aus, der das schon aktive Schutzschild EFSF Mitte 2013 dauerhaft ablösen soll. Frankreich und andere Länder dringen darauf, die auf Druck Deutschlands ins ESM-Konzept aufgenommenen Klauseln für eine geordnete Umschuldung von Staaten in akuter Finanznot (Collective Action Clauses) zu kippen. Diese Option war im Frühjahr nach langem Streit beschlossen worden.
Standard&Poor's schockte Belgien, das zum Kerngebiet der Euro-Zone gehört. Die Ratingagentur stufte die Kreditwürdigkeit des deutschen Nachbarn herab. Als Gründe für den Schritt nannte S&P Risiken für die Banken, eine Bedrohung der exportorientierten Wirtschaft sowie das politische Durcheinander. Die Einstufung lautet nun "AA" nach zuletzt "AA+". Das ist immer noch die drittbeste Note bei der Agentur und damit für Anleger im unbedenklichen Bereich. Der Ausblick ist allerdings negativ, was heißt, dass mit einer weiteren Herabstufung in absehbarer Zeit gerechnet werden muss, wenn sich nichts ändert.
Die Möglichkeiten der belgischen Regierung, den hohen Schuldenstand zu reduzieren, seien begrenzt, befanden die Bonitätswächter unter dem Hinweis, dass das Land seit Monaten keine vom Parlament gebilligte Regierung hat. Zudem bestehe die Gefahr, dass Belgien mehr Milliarden in die Rettung seiner Banken stecken müsse als derzeit absehbar. Die belgisch-französische Dexia ist das erste Institut, das als Folge des Euro-Desasters mit zig Milliarden aus den Staatskassen beider Länder vor dem Abgrund bewahrt werden muss.
Zudem deutet sich nach Angaben aus dem Umfeld der künftigen Regierungspartei Spaniens an, dass das Land Rettungshilfen entweder beim EFSF oder beim Internationalen Währungsfonds (IWF) beantragen könnte. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, sagte eine den Konservativen nahestehende Person laut Reuters. "Aber es ist eine der Optionen, die auf dem Tisch liegen." Wenn man diesen Weg gehe, sei es politisch klug, sich dazu schnell und unabhängig durchzuringen, anstatt erst auf den Druck der Finanzmärkte zu reagieren. "Wenn wir es tun müssen, müssen wir es jetzt tun", sagte der Insider Reuters zufolge. Spanien muss derzeit enorme Zinsen zahlen, um seine Anleihen an den Mann zu bringen.
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