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Merken   Drucken   15.02.2012, 20:36 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Rezession lässt Athens Hoffnung schwinden

Griechenlands Konjunktureinbruch verschärft sich. Experten erwarten 2012 ein Minus von 7,5 Prozent. Die Ziele der Troika sind unrealistisch.
© Bild: 2012 AFP/LOUISA GOULIAMAKI
Griechenlands Konjunktureinbruch verschärft sich. Experten erwarten 2012 ein Minus von 7,5 Prozent. Die Ziele der Troika sind unrealistisch. von Mathias Ohanian  und Martin Kaelble  Berlin
Wegen des beschleunigten Konjunkturabsturzes der griechischen Wirtschaft sehen die finanziellen Perspektiven des Landes immer katastrophaler aus. Für 2012 rechnen Fachleute nun mit einem doppelt so hohen Wirtschaftseinbruch wie die Troika aus internationalem Währungsfonds (IWF), EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB). Deshalb, so befürchten die Ökonomen der Dekabank, könnte sich Athens Neuverschuldung im Gesamtjahr auf insgesamt 6,8 Prozent der Wirtschaftsleistung summieren. Ein noch höheres Defizit prognostiziert die Berenberg Bank. Zum Vergleich: In ihrem letzten Anpassungsbericht erwartet die Troika lediglich 4,7 Prozent. "Selbst mit der im Raum stehenden Gläubigerbeteiligung ist es jetzt kaum noch realistisch, dass die Staatsverschuldung auf ein tragfähiges Niveau fällt", sagte Frank Hansen, Chefökonom der Danske Bank.
Noch immer plant die Troika, Griechenlands Staatsverschuldung mithilfe der Gläubigerbeteiligung bis zum Jahr 2020 auf 120 Prozent zu drücken. Dieses Niveau gilt Experten zufolge als langfristig tragfähig. Die jüngsten griechischen Konjunkturdaten stellen jedoch eine ernsthafte Bedrohung für dieses Ziel dar.
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"Die Troika hat massiv unterschätzt, wie dramatisch die Konsolidierung der Konjunktur schadet", sagte Fabio Fois, Ökonom bei Barclays Capital. Zu sehen sei dies an den Einnahmen aus der Mehrwertssteuer, die im Januar rund 19 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres lagen. "Viele Geschäfte haben seitdem dicht gemacht", sagte Torge Middendorf, Ökonom bei der WestLB.
Auf Basis der am Dienstag veröffentlichten griechischen Zahlen kommt Fois zu dem Schluss, dass die griechische Wirtschaft alleine im vierten Quartal 2011 um rund fünf Prozent im Vergleich zur Vorperiode schrumpfte. Andere internationale Großbanken kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Das entspricht dem höchsten gesamtwirtschaftlichen Minus in einem einzigen Quartal in Griechenland seit Beginn der Konsolidierung vor zwei Jahren. Zum Vergleich: Die deutsche Wirtschaft war im gesamten Krisenjahr 2009 so stark eingebrochen wie die griechische Ende 2011. "Die Wirtschaft ist in einer tiefen Depression", so Middendorf.
Dieses nicht eingeplante Quartalsminus sorgt nun dafür, dass die gesamte hellenische Staatsverschuldung Ende 2011 um etwa fünf Prozentpunkte höher ausfällt als bislang geschätzt und bei 166 Prozent der Wirtschaftsleistung notiert. "Bricht die Konjunktur erneut unerwartet ein, wird es noch viel schwieriger", sagte Danske-Ökonom Hansen. Allein wegen des jüngsten Konjunktureinbruchs dürfte die staatliche Verschuldung 2020 seiner Berechnung zufolge bei etwa 130 Prozent liegen - und damit deutlich über dem avisierten Ziel von Athen und Troika.

Teil 2: Die Prognose für Griechenland wird nach unten korrigiert

  • Aus der FTD vom 16.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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