Spaniens Banken sind nicht das einzige Problem der viertgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone. Die Schwierigkeiten haben ihre Ursache in der 2008 geplatzten Immobilienblase. Das hat Spanien die höchste Arbeitslosigkeit der EU beschert, was die Staatsfinanzen belastet und die Wirtschaft in einem Teufelskreis aus Sparmaßnahmen, wegbrechender Konjunktur und verfehlten Defizitzielen gefangen hält.
Dabei hatten sich Spaniens Firmen nach dem Einbruch 2008 zwischenzeitlich wieder halbwegs über Wasser halten können. Erst seit Mitte vergangenen Jahres geht es rasant bergab mit der Konjunktur. Für 2012 rechnen Ökonomen nun mit einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung um rund zwei Prozent. Die Probleme treten neben dem Bankensektor in drei Bereichen der Wirtschaft besonders geballt auf. Zugleich gibt es aber auch einen Hoffnungsschimmer.
Anders als beim überschuldeten griechischen Staat war in Spanien der Ursprung der Krise eine Immobilienblase und die damit verbundene private Verschuldung. Jahrelang hatte der Bauboom für Wachstum und Arbeitsplätze gesorgt - und für den Aufbau gigantischer Überkapazitäten. Die sorgen nun für die anhaltende Misere. Eine Erholung der eingebrochenen Hauspreise ist nicht in Sicht, die Stimmung im Bausektor laut Barometern wie dem ESI-Index der EU-Kommission völlig am Boden.
Der Bausektor leidet wie keine andere Branche in Spanien. Die Bereinigung dieser strukturellen Probleme ist Experten zufolge noch lange nicht ausgestanden. Die einstigen Jobs am Bau oder in Immobilienfirmen kehren so schnell wohl nicht zurück.
Die Lage am spanischen Arbeitsmarkt ist desolat. Die Arbeitslosenquote ist zuletzt auf über 24 Prozent gestiegen - höher als in jedem anderen EU-Land. Nach einem ersten Schub an Entlassungen direkt nach Platzen der Immobilienblase 2008 sorgte zuletzt die verschärfte Konsolidierung für wachsende Scharen von Arbeitslosen. Und der Ausblick ist düster: Die Regierung hat eine ambitionierte Arbeitsmarktreform verabschiedet, die langfristig zwar Besserung bringen soll, zunächst die Lage aber noch einmal verschlimmern könnte. Die OECD rechnet im kommenden Jahr mit einer Arbeitslosenquote von über 25 Prozent. Mit jedem vierten Spanier ohne Job - unter jungen Menschen ist es sogar jeder zweite - ist vom Konsum nicht viel zu erwarten. Ein Teufelskreis.
Unter dem eingebrochenen Konsum leidet Spaniens Industrie erheblich. In Zeiten des Booms konnten die Firmen prima von der brummenden Binnennachfrage leben - nun fehlt ihr eine zentrale Wachstumsstütze. Seit Herbst vergangenen Jahres hat sich die Situation stetig verschlechtert, weil die Haushaltskonsolidierung die Binnennachfrage noch weiter schwächte. Im April sank die Produktion nunmehr auf den tiefsten Stand seit 1994, wie Berechnungen der Société Générale ergaben. Die Stimmung in der Industrie war im Mai sogar erstmals schlechter als in Griechenland, wie eine Umfrage des Datendienstleisters Markit zeigte.
Immerhin gibt es inmitten der Misere zumindest einen Lichtblick: Spaniens Exporte. Bei allen aktuellen Problemen - an der Wettbewerbsfähigkeit liegt es nicht. Seit 2008 sind die Lohnstückkosten deutlich gefallen. Nur in Irland sanken sie laut EU-Kommission noch stärker. Die Exporte entwickelten sich folglich zuletzt dynamischer als im Durchschnitt der Euro-Zone - und sogar besser als in Deutschland. Schon vor der Krise stand die Ausfuhrwirtschaft für sich genommen recht gut da. Überdeckt wurde das durch den Importboom, der lange für ein Leistungsbilanzdefizit sorgte.
Doch Ende 2011 war der Außenbeitrag - die Differenz zwischen Exporten und Importen - erstmals seit Langem positiv. Und das nicht nur, weil die Importe durch die kriselnde Binnenwirtschaft einbrachen, sondern weil Spaniens Firmen beim Export trotz Krise gute Geschäfte machen. Wie die deutschen Firmen haben auch sie eine gute Marktposition in den Schwellenländern, was ihnen in der Euro-Krise nun zugutekommt, speziell in Lateinamerika. Neben Warenexporten sind die Spanier auch bei Dienstleistungen wie Telekommunikation und Finanzdienstleistungen stark.