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Merken   Drucken   19.01.2011, 15:05 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Warum ein Schuldenschnitt falsch wäre

Kommentar Eine Umschuldung klingt gerecht, würde aber die wahren Verursacher der Euro-Krise schonen. Aus der Krise hilft nur ein Politikwechsel - und eine Garantie für Staatspapiere. von Gustav Horn und Silke Tober
Gustav Horn ist Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung. Silke Tober ist Expertin für Geldpolitik im IMK.
Renommierte Experten bringen immer wieder eine Umschuldung für die Krisenländer im Euro-Raum ins Spiel - zuletzt Joseph Stiglitz in der FTD. Sicherlich, ein Schuldenschnitt, der auch die Verursacher der Finanzkrise an ihren Folgen beteiligen würde, wäre nur allzu gerecht. Allerdings würde es hier überwiegend die Falschen treffen.
Die Verschärfung des Euro-Stabilitätspaktes...

 

Die Verschärfung des Euro-Stabilitätspaktes...

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Primär verantwortlich für die Krise waren die Deregulierer und die Investmentbanker - ob bei Banken oder Hedge-Fonds. Staatspapiere werden jedoch vor allem von Lebensversicherern, Pensionsfonds und Banken gehalten. Zudem hätte eine solche Aktion wegen der horrenden Abschreibungen möglicherweise weitere Rettungspakete zur Folge, die für den Steuerzahler teuer würden.
Wichtig wäre es, dass die Politik einen Richtungswechsel vornimmt und dass diejenigen, die die Kosten der Krise am besten schultern können und gegebenenfalls auch von den bisherigen Strukturen profitiert haben, den größten Anteil der Kosten tragen. Das kann nur durch steuerpolitische Maßnahmen passieren, nicht durch einen Schuldenschnitt.
Ein Schuldenschnitt ist vielmehr das letzte Mittel in einer aussichtslosen Situation - wie etwa 1923, als in Deutschland die Schulden zwar nicht durch einen Schnitt, aber durch eine Hyperinflation nahezu vollständig entwertet wurden.
Ebenso wichtig ist, dass ein Schuldenschnitt in einem Land Kettenreaktionen auslösen könnte. Es ist abzusehen, dass nach dem Schuldenschnitt eines Staates über kurz oder lang das nächste Land einer spekulativen Attacke ausgesetzt sein würde - dasjenige, das Finanzmarktakteure dann als schwächstes Glied in der Kette einstufen. Auch dieses Land würde unter den jetzigen institutionellen Bedingungen zuerst in eine Liquiditäts- und dann in eine Solvenzkrise getrieben.
Kurzsichtige Politik
Die von Kanzlerin Merkel forcierte Gläubigerhaftung ist daher ein Irrläufer. Wenn Staatsanleihen kein sicheres Aktivum mehr sind, welcher Vermögenswert soll es dann sein? Wenn die Gläubigerhaftung als Wesensmerkmal in die Staatsschuldtitel eingebaut wird, werden Schuldenschnitte letztlich als wirtschaftspolitisches Instrument hoffähig gemacht. Für den Euro-Raum implizierte dies hohe Renditedifferenziale, die die Geldpolitik erheblich erschweren würden, und die immer existierende latente Gefahr von spekulativen Attacken.
Gustav Horn   Gustav Horn
Der Weg aus der Schuldenkrise führt als Erstes über eine Beruhigung der Märkte. Aus diesem Grund sollten die Euro-Raum-Länder die bereits ausstehenden Anleihen in Bedrängnis geratener Euro-Länder garantieren. Nehmen wir an, zunächst werden nur die bestehenden Staatsanleihen Griechenlands, Irlands und Portugals garantiert. Würden später Zweifel an der Solvenz Spaniens virulent, so käme es zunächst zu einem Kursabsturz der spanischen Staatsanleihen. Kauft die EZB zu diesem Zeitpunkt möglichst viele Staatsanleihen auf - und stabilisiert die Situation damit -, wird sie, sobald die Garantien auch für Spanien ausgesprochen werden, einen satten Gewinn einfahren. Ein Risiko für die EZB besteht in diesem institutionellen Rahmen nicht.

Teil 2: Belohnung statt Strafe

  • FTD.de, 19.01.2011
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Kommentare
  • 28.01.2011 13:27:30 Uhr   matt_us: Endlich mal einer der Ahnung hat...

    Schuldenschnitt waere natuerlich verkehrt.

    Das wuerde helfen:

    Ein Ankaufen von Anleihen, oeffentlich und mit vorherigem Ansagen wuerde hier viel bringen wuerde.

    Der EU Bail-out Fond, EFSF, koennte das Geld, das er sich billig auf dem Anleihenmarkt leihen kann (zu etwa 1%) dazu nutzen, Stuetzungskauefe von Griechenlandanleihen auf dem Markt zu taetigen. Das koennte solange gemacht werden, bis Griechenlandanleihen im Preis steigen, von derzeit etwa 70% des Ausgabekurses, auf etwa 95%. Das wuerde Renditen von etwa 11% auf ungefaehr 4% fallen lassen.

    Das haette drei Vorteile:

    (1) Die Eurokrise waere beendet, da die Krise ja durch ueberhoehte Anleihenrenditen definiert wirf.

    (2) Alle Credit Default Besitzer (Hedgefonds und andere Spekulanten) wuerden mal kraeftig mit Ihren CDS baden gehen, da die in den Keller fallen wuerden.

    (3) Die EU koennte viel Geld verdienen. Die EZB haelt ja im Moment mindestens 50 Mrd Euro an Griechenlandanleihen. Wenn die alle im Preis steigen wuerden, von etwa 70% auf 95% des Ausgabekurses haette die EZB etwa 15 bis 20 Mrd Euro verdient.

    Wieviel ist das? Nun, die EZB gab vor kurzem bekannt, dass sie ihr Kapital von 5 Mrd Euro auf 10 Mrd Euro erhoeht hatte. Also 15 bis 20 Mrd Euro Gewinn auf ein Kapital von 10 Mrd Euro.

    Das entspricht einer Eigenkapitalrendite von 150% bis 200%. Zum Vergleich, Ackermann und die Deutsche Bank versuchen ja nur 25% zu erwirtschaften, also die Zahlen der EZB koennten sich sehen lassen.

    Man vergleiche diesen Plan, mit Herrn Reglings (der ja mal Hedgefondmanager war - der existierende Anleihen der EZB durch Griechenland aufkaufen lassen will - das wuerde nicht die Renditen runterfahren) und vielleicht kann man sich fuer das was ich hier aufgefuehrt habe entscheiden.

    Das Regling gefeuert gehoert, hatte ich an anderer Stelle schon mal gesagt. Er verlaengert mit seinen Vorschlaegen die Krise, ist nicht unparteiisch genu (sagt z.B. in der FAZ D koennte an den hohen Zinsen verdienen) und hat uns durch die erste Plazierung des EFSF etwa 500 Mio Euro gekostet (die Anleihen wurden zu billig herausgegeben).

    Wann nimmt der endlich seinen Hut?

    Mehr Informationen und Diskussionen zu diesem Thema:
    [url]http://blog.zeit.de/herdentrieb/2011/01/25/warum-der-ruckkauf-von-griechenlandanleihen-nichts-bringt_2704[/url]

  • 23.01.2011 17:00:13 Uhr   reiner tiroch: Idiotie
  • 21.01.2011 11:35:02 Uhr   Beate: Verstaatlichung der Banken
  • 21.01.2011 01:29:20 Uhr   Tyler Durden : @Alfred
  • 20.01.2011 20:42:13 Uhr   Alfred: Irrwitziger und entlarvender Kommentar
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