Schuldenkrise:Was eine Griechen-Pleite für die Banken bedeutet
Der harte Schuldenschnitt scheint unvermeidbar. Aber eine Pleite Athens birgt die Gefahr einer Kettenreaktion - mit schweren Auswirkungen auf das Weltfinanzsystem. Ein Überblick über mögliche Folgen.
von Rolf LebertFrankfurt
Für Griechenland scheint kein Weg an einem harten Schuldenschnitt vorbeizuführen. Die Gläubigerbanken in den Ländern der Euro-Zone müssten dann nach den derzeit diskutierten Plänen auf fast zwei Drittel ihrer Forderungen an den griechischen Staat verzichten.
Den deutschen Kreditinstituten dürfte es noch mit am leichtesten fallen, die notwendigen Abschreibungen und Wertberichtigungen zu stemmen. Problematischer wären die Folgen für französische und griechische Banken. Den deutschen Steuerzahler würde der Zahlungsausfall wegen vieler Haftungsverpflichtungen härter treffen als die Kreditwirtschaft. Die FTD beantwortet die wichtigsten Fragen.
Auch wenn es nettere Bezeichnungen dafür geben mag: Der Schuldenschnitt kommt dem Staatsbankrott Griechenlands gleich. Eine andere Deutung werden die Märkte kaum akzeptieren.
Es ist daher nicht auszuschließen, dass als Konsequenz dann auch für andere Länder der Euro-Zone die Stunde der Wahrheit näher rückt und das Forthangeln von einem Rettungspaket zum nächsten von den Märkten nicht mehr akzeptiert wird.
Unter Druck geraten dürften neben den Südländern der Euro-Zone auch Irland, Belgien und möglicherweise sogar Frankreich, auf das wegen der Schieflage der Dexia-Bankengruppe bereits erhebliche Belastungen zukommen.
Offen ist auch, ob der Forderungsverzicht Zahlungsansprüche an Kreditausfallversicherungen auslöst, wie hoch diese sind und wer dafür einstehen muss. 2008 hatte die Lehman-Pleite den Kollaps des Versicherungsriesen AIG ausgelöst, der die von ihm versicherten Kreditausfälle nicht mehr decken konnte.
Es gibt keinen Staatsbankrott ohne den Bankrott der Banken des betroffenen Landes. Das liegt daran, dass die Inlandsbanken in aller Regel die wichtigsten Käufer der Staatsanleihen ihres Sitzlandes sind.
Griechische Banken hatten Ende 2010 Anleihen ihres Landes im Volumen von 48,2 Mrd. Euro in den Büchern, so der europäische Bankenstresstest vom Juli. Müssten sie darauf 60 Prozent abschreiben, wären das fast 29 Mrd. Euro. Die unvermeidliche Konsequenz wäre ihr sofortiger Zusammenbruch.
Unter der Voraussetzung, dass Griechenland Mitglied der Euro-Währungsunion bleibt und dem Land eine Währungsreform erspart bleibt, müsste nach Stand der Dinge der europäische Stabilisierungsfonds EFSF in die Bresche springen und mit seinen von den Mitgliedsstaaten garantierten Mitteln das griechische Bankensystem rekapitalisieren.
Dies setzt allerdings die Handlungsfähigkeit des EFSF voraus, der noch nicht von allen Euro-Mitgliedern genehmigt wurde. Da griechische Banken nach einem Schuldenschnitt für unbestimmte Zeit vom Kapitalmarkt abgeschnitten wären, käme der Europäischen Zentralbank wie schon bisher die entscheidende Rolle bei der Liquiditätsversorgung des dortigen Bankensystems zu.
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Mit rund 9,4 Mrd. Euro war das Griechenland-Risiko der französischen Banken Ende 2010 nicht viel größer als das der deutschen. Es klumpte sich aber bei nur vier Häusern zusammen.
Experten sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass zumindest einige französische Banken die notwendigen Abschreibungen nicht ohne Staatshilfen stemmen können. Denkbar - wenn auch stark umstritten - ist, dass auch hier die EFSF in Anspruch genommen werden könnte.
Skyline von Frankfurt: Deutsche Banken dürften das Griechen-Debakel gut meistern
Ebenfalls ausgehend von den Stresstestdaten lag bei zwölf deutschen Banken Ende 2010 ein Griechenland-Risiko von 7,6 Mrd. Euro. Darauf wurden seitdem von etlichen Banken Wertberichtigungen bis auf das Niveau der Marktpreise vorgenommen und damit ein 60-prozentiger Schuldenschnitt bereits berücksichtigt.
Die deutsche Kreditwirtschaft ging daher zuletzt davon aus, dass sie einen Ausfall Griechenlands ohne fremde Hilfe verkraften könnte.
Der deutsche Reichstag. Den Staatshaushalt trifft es härter als die Banken
Er ist über die KfW und seine umfassende Haftung für die Bad Bank der Hypo Real Estate mit nominal mehr als 22 Mrd. Euro im Obligo. Gingen davon 60 Prozent verloren, würde dies den Staatshaushalt mit mehr als 13 Mrd. Euro belasten. Das wäre das Dreifache dessen, was die Banken zu verkraften hätten.
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