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Merken   Drucken   10.02.2012, 14:53 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Zuchtmeisterfantasien helfen in Griechenland nicht weiter

Der marode Staat hat bereits Milliarden an Hilfsgeldern verschlungen und wird weitere Kredite brauchen. Eine Pleite könnte noch teurer werden. Deshalb sollte Europa weiteres Geld nachlegen - für ein Wachstumsprogramm.
© Bild: 2011 Reuters/YIORGOS KARAHALIS
Kommentar Der marode Staat hat bereits Milliarden an Hilfsgeldern verschlungen und wird weitere Kredite brauchen. Eine Pleite könnte noch teurer werden. Deshalb sollte Europa weiteres Geld nachlegen - für ein Wachstumsprogramm. von Timo Pache  Berlin
Die Griechen sind ein leichtes Opfer. Viel zu lang haben sie geprasst, sich von den schönen EU-Milliarden der vergangenen Jahrzehnte ein nettes Leben unter der warmen Sonne gemacht. Während in Deutschland Langzeitarbeitslose für ein paar Hartz-IV-Almosen drangsaliert wurden und Arbeitnehmer über Jahre Überstunden schoben und auf Gehalt verzichteten.
Lucas Papademos   Lucas Papademos
Die vielen Milliarden, die in der Schuldenkrise seit Anfang 2010 nun schon nach Athen, Thessaloniki und sonst wohin gepumpt wurden, sind wirkungslos verschwunden. Das Land steckt nach wie vor in der Krise, streng genommen wird die Lage von Woche zu Woche sogar nur schlimmer. Und nun, da die Griechen noch mehr Geld bekommen sollen, speisen sie die Finanzminister der Euro-Zone auch noch mit ein paar halbgaren Zusagen und Reformversprechen ab. Das kann doch wohl nicht wahr sein, rufen Millionen Stammtisch-Finanzminister in Deutschland empört. Und sie empören sich zu Recht.
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Es ist daher richtig, dass die Finanzminister der Euro-Gruppe am Donnerstagabend zunächst kein weiteres Hilfspaket für Griechenland beschlossen haben. Und es ist auch richtig, dass sie nichts bewilligen wollen, bevor die Regierung von Lucas Papademos nicht erste versprochene Reformen konkret umgesetzt und die drei Parteiführer in Athen ihren Handlungswillen demonstriert haben.
Aber bei aller berechtigten Enttäuschung und Härte - die Deutschen sollten sich vor weiteren Zuchtmeister-Fantasien hüten. Griechenlands Schuldendrama wird für Deutschland teuer, teurer auch als bisher von der Politik versprochen. Und diese Vorhersage gilt für jeden Ausgang des Dramas - egal, ob das Land offiziell in die Zahlungsunfähigkeit entgleitet oder mit weiteren Hilfsprogramm durchgefüttert wird.
Die griechische Volkswirtschaft ist in weiten Teilen mehr oder weniger eine Staatswirtschaft. Infrastruktur, Kommunikation, Verkehr, auch das Gesundheitswesen sind in der Hand des Staates. Daher rührt auch der für deutsche Verhältnisse erschreckend aufgeblasene Apparat des öffentlichen Dienstes. Auf die Schnelle das ganze Land zu privatisieren, wird schlicht nicht funktionieren. Wer will jetzt schon in dem Pleitestaat investieren?

Teil 2: Griechenland ist Euro-Land, das wird sich so bald nicht ändern

  • FTD.de, 10.02.2012
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Kommentare
  • 14.02.2012 04:09:28 Uhr   John Doe: @Glasauge

    Ihre Antwort, ich fasse es kaum!
    Sie glauben immer noch, dass die Griechen eine Sause ohne Ende gefeiert haben. Sie dagegen nur so vor Neid platzen. Der Zorn muss einfach raus. Dummheit lässt sich mit Information heilen, wenn der Wille dazu da ist, also:
    Quelle: http://www.ba-auslandsvermittlung.de/lang_de/nn_2856/DE/LaenderEU/Griechenland/Arbeiten/arbeiten-knoten.html__nnn=true
    "Das Lohnniveau ist in Griechenland sowohl im Vergleich mit anderen westeuropäischen Staaten als auch im Verhältnis zu den Lebenshaltungskosten recht niedrig. Dabei gibt es regionale Unterschiede: In Thessaloniki verdient man rund ein Viertel weniger als in Athen, im übrigen Land beträgt der Unterschied sogar 35 Prozent. Angestellte erhalten für einen Vollzeitjob im Durchschnitt gerade einmal 41 Prozent des Gehalts eines Angestellten in Deutschland (D= 35 000€). Innerhalb der Eurozone sind die Einkommen nur in Portugal noch niedriger. Ein Teilzeitjob reicht daher nicht aus, um die Lebenshaltungskosten zu bestreiten. Manche Akademiker sind privilegiert: Je höher und gefragter die Qualifikation, desto mehr nähert sich das Gehalt dem an, was man in Deutschland bekommt. Internationale Unternehmen im Land zahlen für vergleichbare Positionen in der Regel etwa das Dreifache wie griechische Unternehmen, außerdem bieten sie bessere Aufstiegschancen.

    Der gesetzliche Mindestlohn beträgt rund 658 €, ab Mai 2009 740 €. Tarifverträge legen für die meisten Branchen eine Mindestvergütung fest, auf die ein Arbeitnehmer mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung Anspruch hat. Die tatsächlichen Bezüge liegen meist über dem Tarif. Leitende Angestellte verhandeln ihre Vergütung frei mit dem Arbeitgeber. Üblich sind 13 oder 14 Monatsgehälter. Gehaltserhöhungen lassen sich später oft nur schwer durchsetzen. Einige Firmen bieten stattdessen Zusatzleistungen an – etwa Boni, Prämien, Zuschüsse zu Versicherungen oder zur Miete.

    Die höchsten tariflichen Mindestlöhne werden mit 1.080 € brutto pro Monat in der Branche Finanzdienstleistungen gezahlt; am wenigsten – rund 683 € – verdient man in den Branchen Maschinenbau sowie Elektro- und Elektronikindustrie (Stand: 2007). Branchenübergreifend und mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung erhält ein Ingenieur im Durchschnitt mindestens 1.034 € brutto pro Monat, ein Programmierer 702 €, ein Sekretär mit Fremdsprachenkenntnissen 717 €, ein Buchhalter 771 € und ein Fahrer 716 €."
    "Obwohl das Gesetz die Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden festlegt, arbeiten griechische Vollzeitbeschäftigte mehr als andere Europäer: durchschnittlich gut 43 Stunden pro Woche. Überstunden sind in nahezu allen Branchen an der Tagesordnung. Auch sonntags wird immer häufiger gearbeitet. Teilzeitverträge nehmen erst seit einigen Jahren etwas zu – vor allem in den Branchen Banken, IT, Bauwirtschaft, Einzelhandel, Energie und Telekommunikation. Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten liegt bei rund 5 Prozent."

  • 13.02.2012 18:47:18 Uhr   Glasauge: Ich verstehe schon... @John Doe
  • 13.02.2012 14:42:21 Uhr   John Doe: @Glasauge
  • 13.02.2012 12:30:13 Uhr   Glasauge: Naja, @John Doe
  • 12.02.2012 23:57:36 Uhr   John Doe: @wutbürgerhoch10
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