Zum Start der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben renommierte Experten Europas Politiker zu mehr Zusammenarbeit in der Euro-Krise aufgefordert. "Dass Spanien sich zu Tode spart, kann keine Lösung für den Kontinent sein", sagte Nobelpreisträger Joseph Stiglitz am Rande der Konferenz des Institute for New Economic Thinking in Berlin. Europas Politik müsse sich dazu bekennen, den angeschlagenen Randländern in jedem Fall beizustehen, sagte Christian Schulz, Ökonom bei der Berenberg Bank. "Deutschland muss endlich Verantwortung übernehmen und seinen Beitrag für den Erhalt des Währungsraums leisten", sagte Heiner Flassbeck, Chefökonom der Uno-Handelsorganisation Unctad.
Ab Donnerstag kommen in Washington die Vertreter der 20 führenden Volkswirtschaften zusammen, um sich darüber auszutauschen, wie dem erneuten Aufflammen der Euro-Krise zu begegnen ist.
Nachdem sich die Krise der Währungszone seit Jahresbeginn beruhigt hatte, ist die Ansteckungsgefahr nun wieder zurück. Die Risikoprämien für Anleihen einiger Randländer kletterten zuletzt wieder auf frühere Hochstände. Insbesondere in Spanien spitzt sich die Lage zu, wo die Renditen gestern erstmals seit Dezember auf mehr als sechs Prozent stiegen. Der Euro sank gegenüber anderen großen Währungen auf beinahe den tiefsten Stand seit einem Jahr.
Weil die wirtschaftlichen Aussichten der Euro-Zone düster sind, forderten Fachleute nun wiederholt die Abkehr von der harten Konsolidierung. Stiglitz und Flassbeck warnten, dass diese Maßnahmen in der sich verschärfenden Rezession besonders schädlich seien. Ohne Ausgaben und Wachstum kann es keine Lösung für die Probleme Europas geben, schrieb jetzt auch der renommierte Berkeley-Ökonom Barry Eichengreen in einem Essay. US-Großinvestor George Soros hatte die Befürchtung geäußert, dass die Sparprogramme in Europa zu einer Tragödie historischen Ausmaßes führen könnten. Weder mit Lohnsenkungen noch mit flexibleren Arbeitsmärkten werde das unmittelbare Problem angegangen, dass die Wirtschaft nicht wachse, sagte Flassbeck.
"Länder wie Italien und Spanien tun ihr Bestes, um ihre wirtschaftlichen und fiskalischen Probleme in den Griff zu bekommen", sagte Mark Miller, Ökonom beim Researchunternehmen Capital Economics. Und dennoch stiegen die Zinsen.
Um die Gefahr einer ungerechtfertigten Marktpanik einzudämmen, müssten die potenziellen Retter von EU und IWF den angeschlagenen Staaten ihre Hilfe zusichern, forderte Berenberg-Ökonom Schulz. "Am schnellsten geht der Weg über die Europäische Zentralbank - auch sie sollte ihre Unterstützung ankündigen." Allerdings sei unwahrscheinlich, dass die Währungshüter Anleihekäufe im großen Stil in Aussicht stellen werden, glaubt Schulz. Dass sie dieses Instrument noch immer im Repertoire haben, daran erinnerte Ende vergangener Woche immerhin Benoît Cœuré. Das EZB-Direktoriumsmitglied hatte gesagt, dass das Ankaufprogramm von Staatspapieren für Spanien reaktiviert werden könne.
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Sollte die verbale Unterstützung die Märkte nicht beruhigen, geht es nach Ansicht von Ökonom Schulz darum, die angeschlagenen Banken zu stützen. Insbesondere Spaniens Geldhäuser gelten als anfällig. "Werden Mittel aus der EFSF bereitgestellt, würde die Angst verschwinden, dass Bankschulden am Ende von den Staaten selbst übernommen werden müssen", sagte er. Zusätzlich würden solche Hilfen dazu beitragen, dass die Kreditklemme in Ländern wie Italien, Spanien und Portugal gelockert werde, betonten Experten.
Nach Ansicht von Capital-Economics-Ökonom Miller könnte Europas Politik auch auf der IWF-Tagung Zeichen setzen. "Nämlich dann, wenn sie die nicht europäischen Staaten davon überzeugen, dass Europa eine gemeinsame Lösung verfolgt und so entsprechende Finanzmittel einsammelt", sagte Miller. Tatsächlich dürften Investoren ihre Augen vor allem deshalb auf das Treffen richten, weil es dann auch um die Aufstockung der IWF-Mittel geht. Mehreren Berichten zufolge dürfte der Fonds insgesamt rund 400 Mrd. Dollar erhalten. Ursprünglich hatte er mit rund 600 Mrd. Euro jedoch deutlich mehr angefragt.