Öffnungszeiten eines spanischen Geschäftes: Mittagspause zwischen 14 und 17.30 Uhr
Ziel des neuen Gesetzes sei es, den "chaotischen Arbeitszeiten" im öffentlichen Dienst ein Ende zu setzen, sagte der Minister für öffentliche Verwaltung, Jordi Sevilla. Außerdem solle den Spaniern so ermöglicht werden, Arbeits- und Privatleben besser in Einklang zu bringen. Sevilla hofft, dass der Privatsektor dem Beispiel folgen wird.
Damit will Spanien die überkommenen Arbeitsgewohnheiten der Beschäftigten an die Verhältnisse im übrigen Europa anpassen. Es dürfte aber nicht einfach sein, die Gewohnheit der Siesta abzuschaffen, auch wenn sie für die meisten Spanier inzwischen ein Luxus ist.
"Wir versuchen, ein Beispiel zu geben, indem wir die Arbeitszeit von öffentlichen Angestellten rationalisieren", sagte Sevilla. "Von nun an wird die Mittagspause zwischen 12 und 13 Uhr stattfinden, wie anderswo in Europa, anstatt von 14 bis 16 Uhr. Auf diese Weise können die öffentlichen Angestellten um sechs Uhr nach Hause gehen, und nicht erst um acht oder neun Uhr abends." Sevilla will auch erreichen, dass die Angestellten im öffentlichen Dienst "dieselbe Menge Arbeit in weniger Zeit bewältigen".
Stressfaktor Siesta
Unterstützung erhält die Regierung von dem Unternehmerverband Círculo de Empresarios, nach dessen Ansicht die langen Mittagspausen Spaniens den Tag ineffizient zerstückeln. In einer Stellungnahme forderte der Verband die Unternehmen in dieser Woche auf, ihre Arbeitszeiten zu überdenken und den Angestellten einen besseren Ausgleich zwischen Arbeits- und Privatleben zu ermöglichen. Die langen Arbeitszeiten seien zu einem Stressfaktor geworden, der die Produktivität verringere, heißt es in dem Papier.
"Viele spanische Unternehmen bewerten immer noch die Länge der Arbeitszeit anstelle der Qualität der geleisteten Arbeit", sagt Claudio Boada, Präsident des Círculo de Empresarios. Er verweist auf eine Studie, nach der Spanier nur 60 Prozent ihres Arbeitstags voll nutzen. "Das kostet die Wirtschaft acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts", hat Boada errechnet.
Hinkende Produktivität
Spanien hat mit die längsten Arbeitszeiten in der EU, hinkt hinsichtlich seiner Produktivität aber den meisten anderen Mitgliedsstaaten hinterher.
Viele Geschäftsleute haben sich inzwischen aber auch vehement für die Tradition der langen Mittagspause ausgesprochen. "Das lange Geschäftsessen ist eine Institution", sagt Alejandra Moore vom Beratungsunternehmen Grupo Albion. "Es ist der wichtigste Weg, persönliche Beziehungen zu festigen", sagt sie. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass man bei einem 45-Minuten-Essen wirklich Wichtiges erreichen kann."