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Merken   Drucken   20.10.2011, 12:06 Schriftgröße: AAA

Standort Deutschland: Rettet die gesunden Geldhäuser!

Die Energiewende ist versemmelt, bei den Banken droht Ähnliches. Der Industriestandort ist in Gefahr.
© Bild: 2011 Getty Images
Kommentar Die Energiewende ist versemmelt, bei den Banken droht Ähnliches. Der Industriestandort ist in Gefahr. von Sven Oliver Clausen 
Deutschland wird keine IT-Hochburg mehr. Bei der Biotechnologie ist der Zug auch abgefahren. Bleibt also die Freude am guten, alten Industriestandort.
Wer sich darüber freuen will, sollte sich allerdings sicherheitshalber beeilen. Drei Erfolgsfaktoren für einen Industriestandort hat diese Volkswirtschaft über Jahrzehnte geboten. Bei allen dreien sieht es derzeit nicht gut aus. Der erste: Ein solider Nachschub an guten Facharbeitern und Ingenieuren. Der Mangel ist inzwischen legendär. Die Bundesregierung müht sich, aber die Zahl der Hochschulabsolventen in den naturwissenschaftlichen Fächern ist weiter besorgniserregend, bei den Pisa-Ergebnissen geht es nur mühsam voran, und das Chaos in der föderalen Schulrepublik Deutschland lässt Böses ahnen. Hier ist Deutschland zwar noch nicht verloren. Gewonnen ist aber auch noch nichts.
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Zweiter Punkt: die verlässliche, bezahlbare Versorgung mit Energie. Der Umstieg auf erneuerbare Energien ist ein herzerwärmendes Projekt. Deutschland soll Vorbild für die Welt werden. Alles edel, hilfreich und gut. Nur wird die Vision zu brachial in die Praxis umgesetzt. Der Aufbau der Windenergieressourcen wird in vergleichsweise kurzer Zeit Dutzende Milliarden kosten. Die Lasten werden erdrückend sein - mit voraussichtlich verheerenden Folgen.
Der deutsche Verbraucher ist jetzt schon kein Konsumfetischist und wird daher als Ankurbler für die Konjunktur noch stärker ausfallen. Und wohin die Industrie die steigenden Kosten im sich verschärfenden globalen Wettbewerb weiterwälzen soll, ist unklar. Sollte sie keinen Ausweg finden, bleibt nur die Abwanderung. Da bahnt sich, sollte das Projekt nicht noch verlängert werden, eine größere Katastrophe an.
An diesem Wochenende droht das nächste Verhängnis. Ein dritter Erfolgsfaktor für den Industriestandort Deutschland ist die ausreichende Versorgung mit Geld für Investitionen, also: ein funktionsfähiges Bankensystem. Natürlich ist die Geldbranche ganz wesentlich selbst schuld an ihrem bedauerlichen Zustand. Dass sie den Zorn der Wähler und damit der Politik auf sich zieht, hat sie sich zu einem großen Teil selbst zuzuschreiben.
Zu lange und zu unverschämt hat sie durch asoziale Anreizsysteme bei der Bezahlung ihrer Mitarbeiter die Realwirtschaft mit brandgefährlichen Produkten vergiftet. Das darf die Politik aber nicht zu einem Racheakt verleiten. Denn auf dem Spiel steht die Versorgung der Unternehmen mit Investitionsmitteln, also die wichtigste Konjunkturstütze überhaupt.
Die Euro-Staaten wollen den Banken mehr Kapital aufzwängen, damit die sich untereinander wieder trauen und der Markt wieder von allein funktioniert. Ein gutes, richtiges Ziel. Grob stehen zwei Varianten zur Diskussion: staatliche Lösung oder privatwirtschaftliche Lösung. Eine rein staatliche Lösung wäre eine Katastrophe - ganz unabhängig von der Geringschätzung der Eigentumsrechte, die davon ausginge.
Die Euro-Staaten haben, mit Ausnahme Deutschlands, ihren Nimbus als verlässliche Schuldner verloren. Dies ist inzwischen der Kern der Krise, in der sich der Kontinent befindet. Eine milliardenschwere Finanzspritze der Staaten für die Banken würde deren Schuldenproblem nur verstärken und damit die Instabilität des Bankensystems gleich mit. Desperate Haushälter als neue Bankenaktionäre können kein Vertrauen schaffen. Gewonnen wäre also gar nichts.

Teil 2: Privatisierung der Verluste aus der Finanzkrise

  • FTD.de, 20.10.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 21.10.2011 11:23:16 Uhr   focus: @ITler

    "Es ist bitter nötig etwas für den industriellen Standort Deutschland zu tun."

    Was ist bei dieser Sachlage zu tun? Einfach mal her mit den Vorschlägen, nur Mut!

  • 20.10.2011 23:29:35 Uhr   ITler: @Beate
  • 20.10.2011 21:13:46 Uhr   DrBalthar: Das wird dem Acki aber
  • 20.10.2011 20:20:52 Uhr   focus: @"Bösmensch" Studnix
  • 20.10.2011 18:42:28 Uhr   Studnix: Glückwunsch FTD
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