Wenn Kapitalerträge deutscher Anleger in der Schweiz künftig anonym mit einer Quellensteuer von 26,4 Prozent besteuert werden, ist das eine klare Ansage. Eine, die dabei helfen kann, die Schweiz als Steueroase für Deutsche tatsächlich austrocknen zu lassen. Es wäre deshalb gut, wenn das Abkommen auch im Bundesrat eine Mehrheit findet.
Sicherheit hat aber auch eine Schattenseite: Auch die Nicht-ganz-so-Ehrlichen können sich darauf verlassen. Im Fall des Transfers von Schwarzgeld - in der Vergangenheit immerhin 150 Mrd. Euro, die Bundesbürger illegal in die Schweiz geschleust haben - geht es auch um die Frage, ob ein Abkommen, das Anonymität verspricht, gleichzeitig quasi Immunität verleihen soll. Oder ob es nicht besser ist, die Furcht vor Entdeckung aufrechtzuerhalten. Denn natürlich ist nicht nur der Kapitalertrag der Deutschen in der Schweiz ein wichtiges Thema, sondern auch die Frage, wie dieses Schwarzgeld entstanden ist. Würde der Ankauf weiterer Steuer-CDs kategorisch ausgeschlossen und damit die Anonymität für alle Fälle garantiert, könnte ein wichtiger Anreiz zur Steuerehrlichkeit wegfallen.
Es ist deshalb richtig, dass Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble einen Rest von Unsicherheit hinsichtlich des Ankaufs der Daten von Steuersündern aufrechterhält. Auch wenn man sich beim Ankauf "nicht aktiv bemühen" wolle, wie es euphemistisch heißt. Diese Art von Unschärfe in der Formulierung reicht jedenfalls aus, um die Risikokosten von Schwarzgeldkonteninhabern hoch zu halten. Von denen sind vielleicht einige bereit, eine anonyme Pauschalsteuer zu zahlen - aber das Risiko, dass die Steuerfahndung klingelt, würden sie trotzdem gern minimieren.
NRW verweigert bisher die Zustimmung zum Abkommen unter anderem mit dem Argument, die Straffälligen hätten noch genug Zeit ihr Schäften in ein anderes Land zu bringen. Wieso dieses Taktieren nicht genau das Gegenteil bewirkt ist unverständlich. Wem es auf den Nägeln brennt, wird doch nicht weiter abwarten.