Einige kleinere Staaten wie die Niederlande erwägen deshalb, einen Gegenkandidaten aufzustellen. Der niederländische Finanzminister Jan Kees de Jager hatte im Mai im FTD-Interview gesagt, er wolle, dass "Länder mit fiskalischer Disziplin" besser im Direktorium vertreten sind.
Die Aufstellung von Sáinz de Vicuña ist überraschend, weil der 63-Jährige zwar als international anerkannter Experte für Notenbankrecht gilt, aber kein Ökonom ist und über keine Erfahrung als Geldpolitiker verfügt. Hinzu kommt, dass das neue deutsche Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen seit Anfang Januar auch für die EZB-Rechtsabteilung zuständig ist. Der Jurist Sáinz de Vicuña wäre hierfür prädestiniert, sollte er Direktoriumsmitglied werden.
Mit der Berufung Asmussens stellte Deutschland erstmals seit Bestehen der EZB nicht mehr deren einflussreichen Chefökonomen. Asmussen erhielt stattdessen eine Schlüsselposition bei der Bekämpfung der Euro-Schuldenkrise. In diesem Feld hatte er als Staatssekretär unter Finanzminister Wolfgang Schäuble und sich weltweit einen Ruf erworben.
Frankreich hat nun angekündigt, den spanischen Kandidaten zu unterstützen. Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker wird bei der Sitzung der Euro-Finanzminister am Montag die Kandidatensuche offiziell eröffnen. Das Direktoriumsmitglied muss von den Euro-Finanzministern gewählt werden. Der einzige andere Kandidat ist derzeit nach FTD-Informationen Mitja Gaspari, Sloweniens Minister für Wirtschaftsentwicklung.